Flow Letter (Juli 2010) - Das Ziel meines Lebens

Flow Letter (Juli 2010) - Das Ziel meines Lebens

Beitragvon Falk » Samstag 10. Juli 2010, 08:51

Das Ziel meines Lebens
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In dieser Ausgabe:

1. Das Ziel meines Lebens
2. Als ich mich selbst zu lieben begann (eine Rede von Charlie Chaplin)

1. Das Ziel meines Lebens

Um was geht es bei der ganzen großen Sache, die wir Leben nennen, eigentlich? Die meisten kämpfen, machen und tun in ihrem Leben, rennen wie die Wilden von einem Public Viewing Event zum nächsten, vom Logotherapeuten zum Reflexologen, vom Kretaurlaub zum Thailandurlaub, von der SPD zur CDU/CSU, vom Vize-Präsidenten zum Geschäftsführer, vom Einfamilienhaus zum Landhaus, vom Nokia E71 zum iPhone G4, von Cindy zu Heidi, usw. Wo aber rennen wie eigentlich hin und warum rennen wir überhaupt dorthin? Was bleibt davon in 10 Jahren, in 50, in 100, in 500 Jahren, in 5000 Jahre übrig? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, kann man gut einmal bei den alten Römern, die vor 2000 Jahren so ähnlich wie wir heute durchs Weltgeschehen hetzten, vorbeischauen. Aber nichts mehr zu sehen oder zu hören von all den Antonios, Marcuses und Juliuses, außer einige Statuen und Ruinen, die sie damals für die Ewigkeit beabsichtigten. Von wegen Ewigkeit. Das mächtige, römische Imperium? Ein Echo, ein Vermerk in den Geschichtsbüchern und in den Köpfen der Gelehrten und denen, die auch so gerne zu den Wissenden gehören möchten. Wo ist es nur geblieben, das Weltreich? Es ist mittlerweile still um die alten Römer geworden, genauso still, wie es vor ihrem großen Auftritt auf der Weltenbühne bereits war. Und so wird es jeder Handlung und jedem Menschen gehen, selbst den einflussreichsten, den intelligentesten, den schönsten und den mächtigsten unter uns. Früher oder später ist es still, nichts bleibt, nichts kann mitgenommen werden. Wenn wir das Rennen und Hetzen wenigsten nicht so bierernst nehmen würden, so existenziell, dann wäre das Ganze ja schon um einiges erträglicher.
Manchmal habe ich im HumanFlow Zentrum einen dieser ungewöhnlichen Menschen vor mir sitzen, der mir berichtet, dass er seine To-do Liste bereits abgehackt hat und alles erreicht habe, was es so für Normalsterbliche zu erreichen gibt, zumindest das, was die Luxusartikelwerbung so als das höchste Gut suggestiert. Zwischen den Zeilen höre ich dann manchmal etwas versteckten Stolz auf das Erreichte, was auch ganz normal und menschlich ist, gleichzeitig aber höre ich auch eine immense Verzweiflung, denn diese ausgebrannte Person kann sich nicht einmal mehr einreden, dass durch das Erreichen der Ziele oder Verbesserung der Umstände sich an der chronischen Überlastung etwas ändern würde. Obwohl plangemäß all die großen Ziele erreicht worden sind, immer noch keine Grundzufriedenheit. Ganz im Gegenteil, zum Entsetzten musste die Person feststellen, dass die Phase der Befriedigung von Zielerfüllung zu Zielerfüllung immer kürzer wird. Dabei geht es nicht nur um materielle Ziele, sondern auch um die immateriellen, ja sogar die spirituellen. Wie aber kann das sein? Heißt das etwa, dass der Grundzustand eines Menschen Unzufriedenheit sein könnte, gegen die wir uns zwar auflehnen können, indem wir machen, kämpfen und tun, aber letztendlich nicht aus dem Hamsterrad des Unglücks entkommen können? Das wäre eine traurige Perspektive und zum Glück ist sie nur eine relative Perspektive, denn zumindest Kinder und all die alten Meister aus den verschiedensten Traditionen und zu den unterschiedlichsten Zeiten weisen auf das Gegenteil hin, wenn auch manchmal ziemlich verschnörkelt. Wie ist es also mit den Zielen?
Ich für mich habe drei Lebensziele. Das erste Ziel teile ich mit allen Menschen auf dieser Erde, hat es doch keine Individualität an sich, sondern ist universell gültig. Dieses Ziel ist folgendes: zu sein! Einfach, als das was ich bin, zu sein oder etwas anders ausgedrückt, hier und jetzt zu sein. Für dieses Ziel muss ich nichts machen, kann ich nichts machen, den es beschreibt den Grundzustand der Existenz von mir und allem und jedem um mich herum. Ich kann dieses Ziel nicht erreichen, da ich bereits automatisch in jedem Moment meines Lebens die Erfüllung dieses Zieles lebe, ob ich mir dessen bewusst bin oder auch nicht. Mein ganzes Leben hat mich in diesen jetzigen Moment geführt, um anwesend und hier zu sein. Puuuh! Das primäre Ziel erreicht - check! Das zu fühlen und zu wissen, entspannt mich ungemein.
Mein zweites Ziel ist ebenfalls ziemlich universell, aber trotzdem wesentlich individueller als das erste Ziel, nämlich glücklich zu sein, wobei das stille, leise Glück mich aus irgendeinem Grunde mehr ausfüllt, als das laute. Auch wenn es den meisten nicht bewusst ist, glücklich sein ist eine Wahl, eine Kunst, die von manchen erlernt und entdeckt und von einigen wenigen, vielleicht dem Reisbauern im chinesischen Dorf Nanjie, ohne es bewusst zu wissen, unschuldig gelebt und angewandt wird. Glücklich zu sein hat viele andere Namen. Manche nennen es in Frieden zu sein oder Liebe zu erfahren oder in der Mitte zu ruhen. Zur Kunst glücklich zu sein, gehört übrigens auch die Kunst nicht unglücklich zu sein, die unter schwierigen Umständen wohl die eigentliche Kunst darstellt. Alle sind wir Schüler auf diesem Weg, selbst die Meister und Experten, ist es doch ein Prozess und eine ständige Wahl, vor die das Leben einen stellt. Nichtsdestoweniger, scheint es hier einige Abkürzungen, Prinzipien und Einsichten zu geben, die den Weg zum glücklich sein erleichtern und abkürzen können, vorausgesetzt natürlich, man ist an ihnen interessiert. Wenn man dabei wach und offen ist, wird man zu einem Schmied des eigenen Glücks, vor allem dadurch, dass man das, was gut tut, immer mehr belebt und dem was nicht gut tut, zunehmend die Energie entzieht. Ich erfreue mich an der unendlichen Vertiefung dieses Weges.
Mein drittes Ziel besteht darin, andere zu unterstützen ihr Unglück loszulassen. Dieses Ziel ist höchst individuell und hat mit dem zu tun, was ich persönlich die meiste Zeit über mache, in meinem Fall, ist es meine Arbeit als Burn-out Coach. In dem was ich mache, bin ich anders, wie andere, bin ich individuell, auch wenn man bei genauer Betrachtung auch hier viele Gemeinsamkeiten finden könnte. Idealerweise macht man das, was man macht so gerne, dass man es auch ohne Bezahlung machen würde. Oft wird es dann Berufung genannt. Bei mir ist es glücklicherweise so, meine Arbeit erfüllt mich, zumindest meistens, auch wenn ich bis vor 6 Jahren nie richtig wusste, was, wenn ich einmal groß und erwachsen werde, ich wirklich machen möchte. Tatsächliche Veränderung in meiner Arbeit wurde beschleunigt durch eine Entscheidung, die ich vor einiger Zeit aus innerer Sicherheit heraus treffen konnte, nämlich dass ich nur noch das machen werde, was mir, während ich es mache, Freude bereitet. Dies war ein Sprung ohne Fallnetz, ein Prozess. Die Entscheidung wirkte wie ein Samenkorn aus dem mittlerweile viele starke Pflanzen und feine Pflänzchen gewachsen sind: Selbstständigkeit, Tai Chi, HumanFlow, Heilpflanzenkunde, regelmäßige und ausgiebige Spaziergänge, Badenweiler, usw. Nichtsdestoweniger, ist das, was wir machen vergänglich, so kann es sein, dass sich dieses individuelle Ziel für mich im Laufe der Jahre verändern wird, teils aus praktischen Gründen, Langeweile, Reife oder weil die Zeit vorbei ist und etwas Neues ansteht. Das was wir machen und damit die Rollen, die wir spielen, kommen und gehen, früher oder später. Ich erfahre es als eine besondere Gnade, das momentan machen zu dürfen, was eigentlich meine Hobbys sind.
Alle drei Ziele betrachte ich als wesentlich. Das erste Ziel war eine Einsicht in die Natur des Daseins, das zweite Ziel ist eine Wahl, die ich fortwährend treffen darf und das dritte Ziel, ist etwas, dass automatisch früher oder später aus den ersten beiden entstand. Die meisten Menschen leben genau anders herum, sind überzeugt es geht in erster Linie um das erfolgreiche Machen. Ich mache, also bin ich. Dem ist aber nicht so, denn nur weil ich bin, kann ich machen. Ich bin, also mache ich. Ich bin glücklich dabei und es geht sogar noch leichter. Was ist also das Ziel meines Lebens? Jetzt, in diesem Moment, ist es diese Worte zu schreiben. Mein ganzes Leben hat mich darauf vorbereitet. Und es ist ungemein erleichternd, die Ansichten und Ziele der Sparkassenwerbung, der Heidi Klums, der Politiker, der Vorstandsetage, der Eltern und der Besserwisser nicht mehr so ernst nehmen zu müssen.
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2. Als ich mich selbst zu lieben begann - (Charlie Chaplin zu seinem 70. Geburtstag)
Als ich mich selbst zu lieben begann…
habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist – von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man SELBST-BEWUSST-SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, wie sehr es jemand beleidigen kann,
wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzudrücken,
obwohl ich wusste, dass die Zeit nicht reif war und der Mensch nicht bereit,
und auch wenn ich selbst dieser Mensch war.
Heute weiß ich: Das nennt man RESPEKT

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Einladung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man REIFE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Freude und Glück bringt,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem eigenen Rhythmus.
Heute weiß ich, das nennt man EINFACHHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „Gesunden Egoismus“,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: das nennt man BESCHEIDENHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag, Tag für Tag, und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken behindern und krank machen kann. Als ich mich
jedoch mit meinem Herzen verband, bekam der Verstand einen wertvollen Verbündeten.
Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !

Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1959
Falk
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