Flow Letter (Okt. 2010) - Die 5 Prinzipien (Teil I)

Flow Letter (Okt. 2010) - Die 5 Prinzipien (Teil I)

Beitragvon Falk » Freitag 15. Oktober 2010, 18:41

Die 5 Prinzipien zur Burn-out Bewältigung (Teil I)
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In dieser Ausgabe:

1. Die 5 Prinzipien zur Burn-out Bewältigung (Teil I)
2. "Der friedvolle Krieger" bald in Augsburg - Dan Millman in Deutschland

1. Die 5 Prinzipien zur Burn-out Bewältigung


Dieses Mal möchte ich den Flow Letter nutzen, um aus der Erfahrung eines Burn-out Zentrums über Lösungswege zu schreiben, die betroffenen Menschen, manche davon schwer, nachweislich geholfen haben, um sich nachhaltig aus der Ermüdungsspirale eines Stress-bedingten Burn-outs zu ziehen und im Alltag wieder zu Kräften und zu Lebensqualität zu finden. Unser Ansatz ist gewissermaßen pathologischer Natur, beschäftigt er sich doch vor allem mit der direkten Reduzierung und Eliminierung dessen, was die Erschöpfung in einer betroffenen Person hier und heute verursacht. Was dem Erfolg des Ansatzes entgegensteht ist persönliche Lethargie, nicht-Verstehen der Zusammenhänge, oft langjährig geformte Gewohnheiten, die Konvention und ein gesellschaftlicher Trend hin zum kollektiven Burn-out. Das Leid eines Burn-out aber kann diese, zugegebenermaßen großen Widerstände, doch in relativ kurzer Zeit "pulverisieren". Vor allem dann, wenn man wirklich etwas ändern muss, denn ab einem gewissen Punkt bleibt einem keine andere Wahl, kein Hoffen und kein Funktionieren mehr. Nichts geht mehr. Der Organismus hat entschieden - Veränderung ist dran.
Entscheidend für eine nachhaltige Bewältigung sind eine Haltung aktiver Selbstverantwortung, korrektes Know-how, das auf die Wurzel des Burn-out eingeht, etwas Übung und letztendlich eine daraus resultierende innere Veränderung vom Krieg zu mehr Frieden. Der Weg zurück zu innerem Frieden ist bei der Burn-out Bewältigung sowieso die Krux aller therapeutischen Bemühungen, denn in Wirklichkeit ist es diese stille und wohltuende Präsenz, die es Körper und Geist erlaubt sich schneller zu erholen, zu stabilisieren und in diesem Normalzustand zu bleiben. Dabei geht es nicht um einen temporären Ausflug in ein kurzweiliges Vergnügen, in ein schönes Gefühl oder eine angenehme Entspannungstechnik, sondern um das grundlegende Zurückfinden in den angeborenen und ganz gewöhnlichen Normalzustand von Gleichgewicht.
Im Grunde hat jeder einzelne der folgenden Prinzipien die Kraft einen Menschen aus der Stress- und Erschöpfungsspirale zu ziehen, nicht von einem Moment zum nächsten, aber doch in solch kurzer Zeit, dass man die Wirkung spüren und die Veränderung beobachten kann. Vieles in der Anwendung und Integration der Wirkungsprinzipien hat mit Selbsterfahrung zu tun und die entsteht erst aus der tatsächlichen Anwendung, durch wahrhaftes Experimentieren und Forschen, nicht aber aus der Theorie. Was folgt ist ein Überblick über die 5 Prinzipien. Wegen der relativen Kürze des Newsletter-Formats, kann die hiesige Darstellung leider nur einen groben Überblick über die Prinzipien verschaffen und so erwähne ich in der Abwesenheit eines zusammenfassenden Buches, zusätzlich mehrere Quellen an Referenzliteratur, um die einzelnen Bereiche im Selbststudium zu vertiefen. Auch gibt es Teil I und Teil II (nächsten Monat), damit der Flow Letter diesmal nicht zu lange wird.
Was sind die 5 Prinzipien zur Burn-out Bewältigung? 1. Das Prinzip der Aufmerksamkeit; 2. Das Prinzip der Selbsterforschung; 3. Das Prinzip der sanften Konfrontation; 4. Das Prinzip der Hinterfragung; und 5. Das Prinzip der Authentizität. Jedes Prinzip eröffnet einen unterschiedlichen Zugang zur Wurzel des dem Burn-out zugrunde liegende Stresspools. Aber am Ende führen all Wege zum gleichen Ziel: zu einem selbst, frei, unabhängig und heil, ohne permanenten Druck und Leid.
Das 1. Prinzip der Achtsamkeit geht auf die Reduzierung des Gedankenlärms ein. Es geht hierbei um das konsequente Umlenken der eigenen Achtsamkeit von den automatischen, problembehafteten und unpraktischen Selbstgesprächen (den Gedanken) zurück in die Realität, in die Stille des Hier und Jetzt. Menschen, die unter Burn-out leiden oder kurz davor stehen, haben die Gewohnheit entwickelt zu viel über sich, ihr Leben und die anderen nachzudenken (und das bereits über lange Zeiträume hinweg). Dabei ist gegen das Denken im Grunde nichts einzuwenden, aber auch hier gibt es ein zu viel, genauso wie wenn eine Person fortwährend ohne Ruhepausen joggen würde. Die gesunde Verhältnismäßigkeit zwischen Aktivität und Pause, Denken und nicht-Denken ist gestört. Eine Zeitlang kann der Organismus diese Unruhe absorbieren, aber ab einem gewissen Punkt der gesammelten Überlastung bricht das System an ihr zusammen. Das Fatale ist, dass selbst nach dem Zusammenbruch die antrainierte Gewohnheit ständig nachzudenken nicht unterbrochen wird. Und so finden viele Menschen nicht wirklich aus der Erschöpfungsspirale heraus. Diesen Kreislauf im Alltag zu unterbrechen, kann durch gezielte Impulse trainiert und vertieft werden. Es ist so, als ob man Samen in den Boden setzt, sie wässert und düngt und so von innen heraus wieder zum Leben aufwacht. Eine empfehlenswerte Quelle hierzu ist "Jetzt. Die Kraft der Gegenwart" von Eckhart Tolle.
Beim 2. Prinzip geht es um Selbsterforschung, um ein eigenständiges und autonomes Hinterfragen von dem wer man selbst ist. Viele, der vom Burn-out betroffenen Menschen verwechseln sich nämlich mit ihrer Firma, ihrer Familie, ihrem Wissen, ihrem Besitz, ihrer körperlichen Makellosigkeit, ihrem Erfolg oder Misserfolg. Viele von ihnen reduzieren sich auf eine Rolle, wie zum Beispiel eine Mutter, ein Ehemann, eine Lehrerin, eine Sportlerin, ein Manager, eine spirituelle Sucherin und wieder andere halten sich für das, was die anderen über sie denken, für eine Meinung. All das ist geprägt, von dem was man irgendwann einmal von anderen gelernt hat: Konzepte, Theorien, Rollen, Namen und Informationen. Wir haben diese Ideen blind übernommen von unseren Eltern, von Lehrern, Wissenschaftlern, Psychologen und anderen sogenannten Experten über einen Selbst. Aber kann man sich wirklich auf Besitz oder Ausbildung oder Körper oder Meinungen oder einen Namen reduzieren? Sind das nicht alles nur Aspekte von einem selbst? Sollte man nicht einmal selber überprüfen, wer man eigentlich ist, so dass man über jeden Zweifel erhaben und für sich unterscheiden kann zwischen Wesentlichem und Unwesentlichen? Und vielleicht findet man bei dieser Prüfung sogar heraus, dass an dem was man ist überhaupt nichts fehlt, nie gefehlt hat und auch nie fehlen wird, ja nicht einmal fehlen könnte. Wäre das nicht das Ende des Überlebenskampfes, des Perfektionismuses, des Gefallen müssens, des Außenfokuses und der Leistung um jeden Preis? Wäre dann nicht alles weniger ernst, selbst dann, wenn es ernst erscheint?
Bei diesem Prinzip geht es nicht um eine Übung, sondern vielmehr um eine Entdeckung, die die Prägung und die Konvention in Frage stellt. Diese Untersuchung ist so grundlegend, dass sie eigentlich an jeder Schule gelehrt werden sollte, aber nein, der der die Mathematikaufgabe fehlerlos lösen kann, ist eben eine 1 und sehr gut, und die anderen müssen sich mehr bemühen, um einmal so gut zu werden und in Ordnung zu sein. Wie aber soll man Selbst-bewusst-sein entwickeln, wenn man sich selbst nicht einmal kennt und somit andere bestimmen lässt, wer man ist und wo man steht?
Wer zum 2. Prinzip der Selbsterforschung einen praktischen Zugang findet, wird früher oder später erkennen, dass er auf Dauer nichts machen muss, was nicht ehrlich ist und wirklich zu einem passt. Auch würde die Person möglicherweise herausfinden, dass es 3 "Ichs" gibt, nämlich 2 falsche und ein wirkliches. Das erste ist die eigene Meinung über einen selbst. Dann gibt es noch die Meinungen der anderen über mich. Und ganz versteckt unter all den Meinungen gibt es noch mich, hier und jetzt in diesem Moment, jenseits von Meinungen und jenseits von Gut und Böse, einfach hier am Lesen dieser Zeilen. Und das ist gut so...
Und so liefern auch diese Zeilen über Selbsterforschung keine Antworten und genau das ist es: man muss es selber erforschen, damit es nicht nur eine weitere Theorie ist. Ein Buch zu dem Thema heißt "Wer bin ich?" von Ramana Maharshi, einem der großen "Forscher" Indiens, der im letzten Jahrhundert tätig war.
Fortsetzung des 2. Teils folgt beim nächsten Mal...
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2. "Der friedvolle Krieger" bald in Augsburg - Dan Millman auf Europareise

Viele von euch kennen Dan Millman bereits aus dem Film oder Buch "Der Pfad des friedvollen Kriegers". Dan ist ein cooler Hund und ein schöner Mensch, der zig tausende von uns zutiefst berührt und angestoßen hat, um aus dem Gefängnis der Gewohnheit und Norm auszubrechen. Als junger Mann hat er mich tief in mein Innerstes getroffen, auch wenn ich zuerst keine Ahnung hatte, was er eigentlich meinte :-). Am 23. und 24.Oktober (einziger Deutschlandtermin in 2010) könnt Ihr ihn in Augsburg an einem Wochenendseminar persönlich kennen lernen. Wenn Ihr Zeit und Lust habt, gönnt Euch etwas für Körper und Seele. Mehr Infos und Anmeldung findet Ihr unter www.cultusanimi.de.
Falk
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