FlowLetter (Juli 2011) - Taschenspielertricks

FlowLetter (Juli 2011) - Taschenspielertricks

Beitragvon Falk » Mittwoch 6. Juli 2011, 05:32

1. Taschenspielertricks

Ein großer Teil der Menschen, die unter Dauerstress stehen oder einen Burnout erleiden und in das HumanFlow Zentrum finden, haben bemerkenswert gute Umstände - körperlich, finanziell, partnerschaftlich, beruflich, familiär -zumindest relativ zum Durchschnitt gesehen. Manchmal ist ihnen das auch schmerzlich bewusst, was die ganze Erschöpfung noch unerklärlicher macht und so den Zustand zusätzlich verschlimmern kann. Woran liegt die Überlastung also, wenn nicht an den Umständen? Sie liegt vor allem an den Gedanken und an dem, was die Gedanken ständig in der Person erzeugen: Spannung, Druck und Enge. Das Ergebnis? Energieverschleiß.

Das Problem sind längst die Gedanken über die Umstände, ihre Quantität, ihre Qualität, ihre Zwanghaftigkeit und die resultierenden Emotionen, gewürzt mit Gewohnheit. Sie verursachen den größten Schaden, psychisch und somatisch, nicht die Umstände. Rund um die Uhr, ohne das die Person es merkt oder absichtlich macht, werden über die Gedanken große Massen der individuell begrenzten Systemenergie verschwendet für scheinbar vieles und wichtiges, aber in Wirklichkeit für nichts und wieder nichts.

Das meiste dieses Krieges ist so subtil, dass es der betroffenen Person gar nicht auffällt, dass sie sich im Krieg befindet und willkürlich Energie verpulvert wird. Dieser Zustand kann über Jahre anhalten. Die Person würde mit der Zeit lernen damit umzugehen, diesen Zustand sogar als Normalität zu betrachten und unterbewusst danach zu verlangen. Das ist so ähnlich unsinnig, wie wenn man einen elektrischen Zaun anfassen würde, aber nicht mehr loslässt, in der Hoffnung, dass der 12V Stromschlag irgendwann aufhört, sich besser anfühlt oder im falschen Glauben, dass man nicht loslassen darf/kann, weil dann etwas noch Schlimmeres passieren würde. Das ist Leiden. Der elektrische Zaun ist aber nur ein Lerninstrument, kein Folterinstrument, es sei denn, man macht es dazu. Ziel sollte sein: konsequent zu lernen und dann nicht mehr zu berühren, so wie die Natur dies in Form eines jungen Kalbes bei Berührung einmal machen würde. Aber so einfach ist es beim Menschen nicht, das Unterbewusste und die Gedanken haben andere Pläne.

Sie glauben bei Ihnen sei alles anders, es sind tatsächlich die Umstände? Es ist das finanzielle Loch, der falsche Partner, die Krankheit, die Schlafstörung, der böse Chef, die für den Stress, die Unzufriedenheit und die Angst verantwortlich sind? Schauen Sie nochmal genauer hin, Sie gehen nämlich gerade dem größten Taschenspieler der Welt auf dem Leim: einem Gedanken. Sie können jetzt in diesem Moment die Wirkung des Taschenspielertricks in Ihrem Körper spüren. Prüfen Sie Ihre leicht angehobenen Schultern. Merken Sie die unrunde Atmung, nicht entspannt im Bauch. Fühlen Sie die allgemeine Körperspannung. Das kostet Energie, auf Dauer viel Energie. Genau das ist der elektrische Zaun in Ihnen. Das ist der Taschenspieler, aber glücklicherweise nicht Sie selbst, auch wenn es Ihnen momentan noch anders erscheint.

Der Taschenspieler spielt seit tausenden von Jahren, wird gezüchtet in Individuen, Familien, Firmen, Glaubensgemeinschaften und der Gesellschaft, hat eine Unzahl von Tricks im Arsenal, ist pfeilschnell, versteckt sich im Unterbewussten und verkleidet sich als falsch und richtig, reich und arm, gut und böse. Auf seiner Ebene, auf der Ebene der Gedanken und Emotionen, können Sie nicht gegen ihn gewinnen. Für jede Lösung, die Sie vorschlagen, tauchen, wie beim Kopf der Hydra, drei neue Probleme auf, früher oder später. Seien Sie ehrlich mit sich selbst. Wann wird denn endlich die erhoffte Zufriedenheit und die erwartete Sicherheit einkehren? Wie lange können Sie noch ablenken, hoffen und wegschauen von dem, wie es ist? Welche Versicherung fehlt noch zum Glück? Nein, die Tricks des Taschenspielers sind zu überzeugend, zu mächtig ist er in seinem Reich. Immer wieder findet er ein Hintertürchen, egal wie clever, die Person auch glaubt zu sein (er hat übrigens die Cleverness erfunden:-).

Aber eines verrät den Taschenspieler immer wieder: die feine (manchmal auch nicht so feine) Spannung des Körpers, die im Laufe der Monate und Jahre zu dem enormen Energieverschleiß geführt hat. Entgegen gängiger Meinung, die innere Dauerspannung ist nicht normal. Das Natürliche in uns, das Leben selbst, reagiert auf die Tricks des Taschenspielers mit Spannung, Schmerz und Unbehagen. Und genauso kann man ihn entdecken. Wenn der Taschenspieler aber eines nicht mag, dann ist es entdeckt zu werden. Dann nämlich beginnt das Ende der Trickserei. Sie funktionieren nicht mehr richtig. Die Zuschauer stehen bald auf und verlassen desillusioniert den Raum. Sie lassen den elektrischen Zaun los, lassen los, Gewohnheit hin oder her. Die ursprünglich vorhandene Energie sammelt sich wieder an und das Individuum blüht wieder auf, als das was er ist, aber nicht unbedingt so, wie Sie es unter Einfluss des Taschenspielers im Moment vielleicht glauben.

Hier ist die Einladung in den Prozess und das praktische Experiment: achten Sie ab jetzt für eine Woche lang bewusst auf die körperliche Spannung im Körper. Nicht nur wenn sie extrem ist, sondern schon wenn sie leise ist. So entsteht Ihr anfänglicher Zugang. Sie können die Spannung vor allem in den angehobenen Schultern, der fehlenden Zwerchfellatmung, dem nervösen Spielen/Zucken und dem massiven muskulären Festhalten spüren. Spüren Sie, ohne Worte. Beobachten Sie, was die einzelnen Gedanken mit ihrem Körper machen. Seien Sie still, denke Sie nicht darüber nach. Einfach nur beobachten, damit Sie in sich die Tendenz und den Zusammenhang klar erkennen. Wenn Sie die Spannung entdeckt haben, lassen Sie sie bewusst los, so gut es eben geht, Schultern, Muskeln locker und Bauchatmung. Immer wieder mühelos. 7 Tage lang 15.000 Mal am Tag mit mühelosem Fokus immer wieder loslassen. So oft, so lange und so tief es geht. Über den ganzen Tag verteilt. Nicht darüber denken und grübeln, einfach machen. Der Taschenspieler mag das Machen nicht. Er braucht das Grübeln. Übrigens, Spannung loslassen und sich selbst annehmen, gehen fließend ineinander über. Nach einigen Tagen spüren Sie den praktischen Übergang. Vertrauen beginnt dann ebenfalls zuzunehmen. Es ist keine Magie, nur jemand der beginnt bewusst den elektrischen Zaun loszulassen.

Vielleicht merken Sie beim Lesen dieser Zeilen zwei widersprüchliche Teile in Ihnen. Der eine Teil kämpft gegen den Inhalt an, richtet, schreit, zweifelt, ist gelangweilt und verkrampft. Der andere spürt, dass diese Zeilen irgendwie den Klang der Wahrheit in sich tragen. Der Taschenspieler ist der erste Teil , der Krieg, der das, was Sie sind, momentan mühelos überlagert . Wie fühlt sich dieser erst Teil an, jetzt in diesem Moment? Der andere Teil, das was Sie sind, ist das, was intuitiv weiß, entspannt und hier ist: sie selbst, unendlich frei, kein Gedanke. Dieser Teil ist immer da, aber meist versteckt und überlagert von den aufregenden Tricks des Taschenspielers. Die weltbeste Werbeagentur arbeitet mitten in ihrem Kopf. Ihr Preis ist astronomisch.

Gehen Sie davon aus, dass der Taschenspieler im Unterbewussten Ihnen mit dem hier gelesenen Text einen Streich spielen wird, dass er das Wissen gegen Sie verwenden wird. Das macht aber nichts. Die genauen Worte und Hinweise hier sind nicht entscheidend. Es geht nicht um Glauben oder bessere Argumente, es geht um Entspannung. Fühlen Sie was in Ihnen los ist. Fühlen Sie Ihren Körper, der ist Natur, ist ehrlich. Und wenn Sie Spannung merken, lassen Sie sie bewusst los, atmen Sie, seien Sie hier. Fragen Sie sich nicht woher die Spannung kommt, es sind immer nur Gedanken. Sie müssen nichts dafür wissen oder machen, nichts erreichen. Immer wieder achten Sie darauf. Nach ein paar Tagen, vielleicht schneller, wird sich wieder mehr Energie und Kraft in Ihnen ansammeln, von alleine, ohne Ihre Mühe. Die Mühe ist nur ein weiterer Trick des Taschenspielers. Um sich selbst zu sein, bedarf es keiner Mühe.

Sie können sich diesen Text immer wieder durchlesen, aber denken Sie nicht über ihn nach. Lernen Sie sich kennen in der Praxis, nicht im Glauben. Niemand wird und kann Ihnen hierbei helfen, vor allem nicht der Taschenspieler. Sie sind dran. Lassen Sie den Zaun los. Haben Sie Mut. Es tut gut.

That's all folks!

Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit mit sich selbst, Falk

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2. Kurzgeschichte aus dem Zen

Ein Zen-Schüler kommt zu seinem Meister und sagt: "Ich habe solche Schwierigkeiten mit meiner Meditation. Entweder bin ich ständig abgelenkt oder meine Beine schmerzen oder ich schlafe ein. Es ist grauenvoll!"

Darauf entgegnet der Meister nüchtern: "Das geht vorbei"

Eine Woche darauf kommt der Schüler begeistert zurück zu seinem Meister: "Meine Meditation klappt wunderbar. Ich fühle mich so bewusst, so lebendig, so voller Frieden!"

Darauf der Meister: "Das geht vorbei"
Falk
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