Flow Letter (Dez 08) - Der alte Meister

Flow Letter (Dez 08) - Der alte Meister

Beitragvon Falk » Montag 8. Dezember 2008, 20:50

1. Der alte Meister

Es war einer dieser magischen Momente, die einen noch lange danach berühren. Mit trockenem Mund saß ich auf dem schlichten Holzstuhl, innerlich tief bewegt und laut jauchzend über das was der alte Meister mir gerade mitgeteilt hatte. Obwohl ich noch nicht alles einordnen konnte, wusste ich dennoch, dass seine Worte wahr waren und auf ein tragisches Missverständnis in mir hinwiesen. Ein Missverständnis, dass sich wie ein roter Faden durch die letzten 10 Jahre meines Lebens gezogen und mich in ein chronische Erschöpfung geführt hatte.
Die letzten 10 Jahre. Zwanghaft vertieft in der Suche nach mehr Business, mehr Geld, mehr Sicherheit, mehr Familie, mehr Lebensqualität und mehr spiritueller Entwicklung, war vor allem die Zukunft mein zuhause. Es war eine ständiges Drängen nach Definition, der verzweifelte Versuch besonders zu sein und meinen eigenen Ansprüchen zu genügen. Was wollte ich eigentlich denn noch? Ich hatte meinen Traumjob, war Partner in einer amerikanisch-ungarischen Investmentbank, hatte eine junge Familie, meditierte und trieb regelmäßig Sport. Aber irgendetwas lief falsch, denn innerlich war ich permanent genervt, unter Druck mit einem ständigen Gefühl von Mangel. Wie konnte das sein? Es fehlte doch an nichts. Mit der Zeit wurde ich immer rastloser, entwickelte schmerzhafte Ängste und Unsicherheiten. Und auch der Schlaf, hielt es immer weniger mit mir aus. Mit 30 Jahren desillusioniert und ohne richtige M otivation, gefangen in einem Hamsterrad. Na toll, das Erwachsensein hatte ich mir anders vorgestellt.

Ein Freund erzählt mir zuerst von dem alten Meister. Er meinte: „ Da musst du einmal hingehen. Er ist Amerikaner. Die Dinge die er sagt, weisen auf eine tiefere Wahrheit hin. Ich glaube, du brauchst ein paar dieser Hinweise, damit du wieder etwas leichter wirst.“ Na gut, wenn es hilft, bin ich bereit, aber bitte keine Psychotricks, kein positives Denken und keine fremdländische Esoterik. Ich bin müde. Mein Fall ist jenseits von Anthony Robbins und Deepak Chopra.

Ich war nicht der einzige, der den alten Meister hören wollte. In dem Raum in Köln saßen bereits ca. 40 Personen. Dann trat John in den Raum. Er war einfach gekleidet, mit Jeans, T-Shirt und hatte einen Bauchansatz. Ein normaler Typ, wie du und ich. Das war irgendwie beruhigend. Er setzte sich vorne hin und schaute ruhig und wach in die Runde.

Zuerst ging eine dunkelhaarige Frau nach vorne. Sie erzählte John (und uns) von ihrer Krebserkrankung und von ihrer Angst vor der zweiten Chemotherapie. Von den Dingen, die John ihr entgegnete, war mir sofort klar, dass er einen besonderen Zugang zu der Thematik besaß, der jenseits des Gewöhnlichen lag. Seine Antworten waren weise, mitfühlend, nicht bedrängend und hatten einen praktischen Kern. Trotz der Schwere des Themas wurde bald gelacht und eine unerwartete Leichtigkeit machte sich breit. Am Ende des Gesprächs atmete die Dunkelhaarige einmal lange ein, schloss ihre Augen und entspannte die Schultern. Um ihren Mund spielte ein sanftes Lächeln. Offensichtlich hatte ihr seine Botschaft gut getan.

Danach gingen andere Menschen nach vorne, erzählten von ihren Leiden und Problemen, viele von ihnen auf den ersten Blick größer als die meinigen. Ich zumindest wollte nicht mit ihnen tauschen. Aber immer wieder passierte das gleiche. John brachte das Gespräch auf eine andere Ebene. Weg von der individuellen Geschichte, dem Stresskörper und zurück auf die Person, die Lebenskraft und die Gegenwart. Es schien, als ob John selbst die schwersten Gewichte in leichte Ballons verwandeln konnte. Konnte alles so einfach sein?

Ich musste es selber herausfinden. So ging ich nach vorne und setzte mich auf den heißen Stuhl. Ich schaute in sein offenes Gesicht. Dann stellte ich meine Frage: „Wie ist es möglich, dass nach fast 30 Jahren Meditation, Yoga, Familie, Erfolg und Traumjob, ich innerlich total unruhig und unzufrieden bin. Dass ich zutiefst erschöpft und weit entfernt von der Leichtigkeit, der Weisheit und der Lebenskraft, die du ausstrahlst und die ich mir insgeheim erhofft hatte, bin?“ Er entgegnete: „ Na, mal sehen, wie weit du davon entfernt bist.“

Ich war hellwach. Zuerst deutete er mir an, die Augen zu schließen. Ich wurde innerlich still, wollte nichts verpassen. Nach ein paar Minuten fragte er mich dann, was ich jetzt in mir spüre. „Tja, schwer zu beschreiben, es ist einfach nur still“, entgegnete ich. Daraufhin fragte John weiter: „Spüre in diese Stille hinein und prüfe für dich, ohne werten zu müssen, ob diese Stille eine Grenze hat.“ Ich schaute, ließ mir Zeit, konnte aber nichts Grenzartiges finden. Daraufhin fragte er mich, ob ich eine Trennung zwischen mir und der Stille finden konnte, eine Trennlinie sozusagen, wo ich aufhörte und die Stille begann. Ich prüfte, aber auch hier konnte ich schnell feststellen, dass es solch eine Trennlinie nicht gab. Es gab hier keine zwei. Dann fuhr er fort: „Und jetzt schaue, ob in dieser Stille etwas fehlt, ob in diesem Moment in dir ein Mangel existiert. Ob irgen detwas noch dazugegeben werden müsste, damit die Stille komplett wird.“ Was für eine Frage! Was könnte hier fehlen? Es war klar und eindeutig, in der Tiefe fehlte mir absolut nichts. Hier war ich komplett, eine Fülle ohne jedes äußere Bedürfnis.

Ich öffnete die Augen, war sprachlos. Ich fühlte, als hätte ich soeben eine zweite Chance aufs glückliche Leben in die Hand gedrückt bekommen, obwohl nicht einmal etwas Spektakuläres passiert war. John sagte dann noch: “Und diese Stille ist was du bist, immer warst und immer sein wirst. Der einzige Unterschied zwischen mir und dir, und der ist minimal, ist, dass du glaubst, dass es da etwas gibt, vielleicht einen besonderen Beruf, ein Ziel, einen Traumpartner, eine Meditationstechnik, einen Meister oder sonst einen äußeren Umstand, um etwas zu werden, zu erreichen oder zu finden, was du nichts bereits schon bist. Finde heraus wer du bist. Sei achtsam. Lerne dich kennen, jenseits deiner geistigen Geschichte. Dies ist der Unterschied zwischen innerem Frieden und innerer Unruhe.“

Ich war absolut platt. Ich hatte zwar 1000 Fragen, aber seine Worte hatten mich mitten ins Herz getroffen.

So hörte ich zum ersten Mal über die Kraft der Gegenwart. Die Implikationen waren gewaltig. Es sollte der Anfang von einem neuen Lebensabschnitt sein, aber das fand ich erst später heraus.


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2. Online Video Clip mit (Meister) Eckhart Tolle
Eckhart Tolle ist durch "The Power of Now" bekannt geworden, ein Buch, das vor allem in den USA viele Menschen erreicht hat und auf eine neue Beziehung zu Gedanken und sich selbst hinweist. Für die, die ihn noch nicht kennen, aber offen sind, um jenseits des Tellerrandes zu schauen, kann Eckhart eine wunderbare Quelle von Inspiration und Know-how sein. Hier ist der Link zu einem faszinierendem YouTube Video full of insight: klicke hier. (englisch)
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