FlowLetter (April 2012) - Die Kraft des Hier und Jetzt

FlowLetter (April 2012) - Die Kraft des Hier und Jetzt

Beitragvon Falk » Montag 30. April 2012, 16:28

1. Die Kraft des Hier und Jetzt

Alles was ich jetzt fühlen, sehen, fassen kann, höre, rieche und schmecke, ist hier und jetzt, ist in der Gegenwart. Es IST einfach. Der grüne Busch mit den lila Blüten, den ich vor mir sehe, er ist. Um dem mentalen Konzept der Gegenwart zu entkommen und zu verstehen, was damit wirklich gemeint ist, müsste ich mich einmal auf ein kleines Experiment einlassen. Ich müsste irgendeinem Objekt vor mir (die frühlinghafte Natur bietet sich an) meine ganze Aufmerksamkeit schenken, eine Minute lang einfach nur schauen. Im Augenblick verweilen. Ich muss nichts greifen oder machen dabei, auch wenn meine Gedanken im Hintergrund nach Aufmerksamkeit rufen.

Ich kann einfach mit dem, was ich sehe, sein. Gedanken dürfen kommen und gehen. Ich aber nehme die Blüten wahr, ohne eine aktive Interpretation. Und dann fällt es mir plötzlich auf: die Blüte ist unendlich still, alles ist still, jetzt in diesem Moment. Alles ist. Und wenn ich das wahrnehmen kann, bin ich ebenfalls still und klar und nicht verloren in meinen Gedanken. Ich bin hier und jetzt. Ich bin bewusst und anwesend. Bin sanft und fühle mich im Moment irgendwie leicht.

In Wirklichkeit bin ich natürlich immer im Hier und Jetzt, wo sollte ich auch anders sein, denn ich kann nicht wirklich, außer in meiner Vorstellung, in Zukunft oder Vergangenheit leben. Jeden Moment meines Lebens werde ich immer nur den jetzigen Moment erfahren. Das Hier und Jetzt ist mein zuhause. Kann ich in diesem Moment auch verweilen? Selbstverständlich. Probieren Sie es aus.

Das scheue Hier und Jetzt fällt mir im gestressten Alltag meistens nicht mehr auf, da meine Wahrnehmung durch die permanente Ausrichtung auf den Gedankenstrom über Zeit getrübt worden ist. Eine Gewohnheit des Abwesendseins hat sich in mir entwickelt. Ich bin jetzt meist im Später, im Konzept oder in meiner Geschichte, nicht aber im Jetzt. Im Treffen bin ich bereits in der zukünftigen Umsetzung des Besprochenen. Beim Essen bin ich bereits gedanklich bei der nächsten Verabredung. Das Später hat die Gegenwart ersetzt und der jetzige Augenblick, also die eigentliche und einzige Wirklichkeit, verliert immer mehr an Bedeutung. Wenn viele das machen, kann der gehetzte Mensch sogar zur gesellschaftlichen Norm werden, dadurch wird das Leben aber nicht hübscher.

Erst scheint die Rechnung der Zukünftigkeit aufzugehen, vor allem bei Erfolg, aber mit der Zeit beginnt sich eine innere Spannung aufzubauen, die Zutaten für Dauerstress und Burnout sind vorbereitet. Auch wenn es einem selbst nicht auffällt, irgendwann beginnen einen die Menschen um einen herum, wie Partner, Kollegen oder die eigenen Kinder, darauf hinzuweisen, dass man nicht mehr richtig anwesend ist.

Nur über die Gedanken können wir uns etwas anderes vorstellen, als das Hier und Jetzt. Wir können uns eine Zukunft vorstellen oder uns an Vergangenes erinnern. Gedanken und Vorstellungen haben ohne Frage ihren Platz, sind aber »gefräßig«, d.h. sie ziehen immer mehr Aufmerksamkeit in ihren Bann. Sie sind gute Diener, aber schlechte Meister. Durch ständiges Denken, Planen und Analysieren, werden die Gedanken zum Meister, bis der Augenblick scheinbar nicht mehr existiert und der Mensch nicht mehr ruhen kann. Er muss dann immer weiter und das immer schneller. Auf Dauer macht das aber keinen Sinn.

Im Augenblick zu verweilen, hier und jetzt zu sein, heißt aber nicht nur über die Sinne wahrzunehmen, sondern es kann auch bedeuten in Stille ein starkes Gefühl zu fühlen, wie Angst, Trauer oder auch Freude. Die Gefühle sind hier, um gefühlt zu werden. Dafür müsste ich ebenfalls einmal anhalten, bewusst verweilen, ohne Drama oder Geschichte, auch wenn es schmerzt. Jedes Gefühl ist hier und jetzt. Die richtige Handlung kann dann aus dem entstehen, was jenseits des Sichtbaren und jenseits der reaktiven Oberfläche liegt.

Was möchte ich wirklich? Möchte ich ständig auf dem Weg irgendwohin sein, über die Gegenwart trampeln, im Konflikt mit dem, was jetzt ist? Wenn ich wirklich Frieden möchte, muss ich nicht in die Zukunft schauen, dort ist nur die Hoffnung. Ich müsste hier und jetzt beginnen, denn er liegt hier und jetzt. Ich müsste wieder friedlich schauen - für Sekunden, Minuten - Schritt für Schritt. Hier und Jetzt ist die Quelle meiner Kraft.

2. Vom Bergsteigen mit Gott

Plötzlich rutscht der Bergsteiger aus und kann sich gerade noch an einem winzigen Felsvorsprung festhalten. Als seine Kräfte langsam nachlassen blickt er verzweifelt zum Himmel und fragt:
"Ist da jemand?"
"Ja!"
"Was soll ich tun?"
"Sprich ein Gebet und dann lass los!"

Der Bergsteiger nach kurzem Überlegen:
"Ist da noch jemand?"
Falk
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