FlowLetter (Juni 2012) - Und wer trägt mich?

FlowLetter (Juni 2012) - Und wer trägt mich?

Beitragvon Falk » Montag 4. Juni 2012, 16:07

1. Und wer trägt mich?

Ein Macher oder eine Macherin zu sein, ist ein soziales oder berufliches Prädikat, eine Auszeichnung. Der Begriff steht für jemanden mit Visionen, jemanden der umsetzt, leistet und trägt, sei es in der Firma, der Familie, dem Verein, bei Freunden, etc. Ohne diese Macher würde nicht viel entstehen, setzten sie doch ihre Energie, die ihnen oft im Übermaß geschenkt ist, ein, um Dinge und Projekte zu erschaffen und wachsen zu lassen.

Im gesunden Maß ist die Macherenergie wunderbar, denn sie ist ein elementarer Aspekt des Lebens. Jeder Mensch trägt etwas von ihr in sich, manche mehr und manche weniger. Durch das ständige Machen, dem daraus entstehenden Erfolg und dem Zuspruch von außen, kann sich so in einer Person eine immer stärkere Macher-Haltung entwickeln. Es ist ein Kreislauf. Man kann immer mehr, weiß immer mehr, trägt immer mehr und macht immer mehr. Aus dem unschuldigen Machen, entsteht so ein ernsthaftes, unaufhörliches Machen. Der Übergang zum Zu-viel-machen ist unsichtbar und so haben Macher-Typen, auch wenn sie im Allgemeinen mehr an Energie zur Verfügung haben, im mittleren Alter ein besonders hohes Burnout-Risiko.

Die Haltung, die aus dem unaufhörlichen Machen jedoch unbewusst entstehen kann, ist folgende: Nicht das Leben trägt mich, sondern ich muss das Leben tragen. Ich muss alles können, muss alles wissen und muss alles lösen, oft auch für andere, ohne Pause. Auch wenn aus dieser Haltung förderliche Aspekte entstehen können, wie mehr Selbst- und Eigenständigkeit oder besondere Fähigkeiten, ist sie auf Dauer nicht nachhaltig, denn sie basiert auf einem "Missverständnis". In Wirklichkeit nämlich trägt das Leben mich! Im inneren Getrieben-sein existiert mit der Zeit kein Ort mehr, wo ich mein Haupt noch in Ruhe betten und Kraft sammeln kann. Ich muss machen und funktionieren. Ich fühle mich alleine, getrennt von allen andern, muss unaufhörlich leisten und tragen, sonst bricht alles zusammen. Wer aber trägt mal mich, den Macher, bzw. die Macherin?

Die Eltern können auf Dauer nicht tragend sein, auch wenn es in den ersten Lebensjahren anders gewesen ist und so leicht eine idealisierte Hoffnung oder auch eine Enttäuschung für den Rest des Lebens entsteht. Es ist auf Dauer auch nicht der Partner, der Chef oder die Freunde, die einen tragen können, auch wenn sie es in Worten anders sagen und es sich im Herzen vielleicht anders wünschen. Jeder hat genug mit sich selbst zu tun. Aber wenn nicht sie und nicht ich, wer trägt mich dann?

Der erste Schritt zum Abgeben ist sich des Einzelkämpfer-Musters bewusst zu werden und ehrlich mit sich zu sein. Ehrlichkeit ist keine Schwäche. Ja, ich trage das Leben schon sehr lange und vertraue nicht, dass es mich trägt. Im Innersten bin ich alleine, getrennt von allen anderen. Dieser Kampf hat mich erschöpft. Diese Erkenntnis kann schmerzvoll sein, aber auch befreiend, da sie eine Türe zu mehr Wahrheit öffnet.

Der zweite Schritt ist zu erkennen und sich zu erlauben, dass ich auf Dauer Unterstützung brauche. Dieser zweite Schritt bringt ein neues Element ins Spiel: Abgeben (Hingabe) und Loslassen. Das ist das, was auch mit Glaube eigentlich gemeint ist. Das Abgeben ist eine Ausrichtung auf eine höhere Kraft oder Macht, die tatsächlich trägt und tragen kann. Damit dies jedoch kein leerer Glaube und kein kraftloses spirituelles Konzept wird, muss es praktiziert werden. Ich aktiviere es. Nur so kann in kurzer Zeit eine erfahrbare Veränderung feststellen, innerlich und äußerlich. Und das ist der dritte Schritt: die Praxis.

Prinzipiell gibt es eine Natur, ein Leben, eine Intelligenz und ein Absolutes, das sich jedoch in unendlichen Formen ausdrückt. Dieses Eine trägt alles, was existiert, einschließlich den Menschen selbst. Es ist DAS tragende Prinzip. Für dieses Eine kann man auch die Worte höhere Macht, Mutter Natur, Gott, Allah, Tao oder Brahman benutzen. Für das praktische Abgeben, wählt man einen konkreten, symbolischen Ausdruck des Einen.

Für manche kann dies Mutter Maria sein und für andere Gaia, Jesus, Mohammed, Krishna, ein Schutzengel, Ama oder eben Gott. Am besten nutzt man die Form, die einen am meisten anzieht oder schon positiv vorgeprägt ist. Wenn es da noch nichts oder nichts mehr gibt, beginnt man einfach neu. Abgeben kann jederzeit neu beginnen. Es gibt keine Schuld, keine Verurteilung. Entscheidend ist nur, ob es funktioniert.

Für mir war es die Grüne Tara, die weibliche Buddha, die mich anzog. Ein befreundeter Arzt erzählte mir von ihr. Sie bietet Halt und Wärme für alle, die sich ihr zuwenden, auch für die Heimat- oder Traditionslosen, wie so viele von uns. Sie stellt das aktive Mitgefühl aller Buddhas dar. Sie handelt , befreit und nimmt Angst. Sie steht für die göttliche Mutter und trägt, denn das ist ihre Aufgabe und Fähigkeit. Darin ist sie unendlich liebevoll, kraftvoll, weise und schnell.

Und so begann ich ein kleines Ritual der Hingabe zu entwickeln. Ich nahm das Tara Mantra «om tare, tutare, ture, soha» und begann es zu rezitieren. Auf Youtube finden sich einige Beispiele dafür. Ich sprach es, ich sang, laut, leise, nur in Gedanken, morgens, tagsüber, abends und nachts. Ich gab bewusst ab an sie. Das musste ich über mehrere Tage erst wieder erlernen. Ich lud sie ein für mich zu machen und durch mich zu wirken. Dies hat übrigens nichts mit Passivität zu tun, ganz im Gegenteil. Es war eine Möglichkeit durch sie wieder Kraft zu gewinnen und zurück in Aktivität zu finden, aber auf eine nachhaltige Art und Weise.

Durch die Ausrichtung auf das Tragende, begann das Getragen-sein in mir zu wachsen und der Macher begann in den Hintergrund zu wandern. Es war eine Wohltat abzugeben. Man merkt das wachsende Abgeben daran, dass es innerlich friedlicher und ruhiger wird. Erst im Abgeben fällt einem auf, wie viel man vorher tatsächlich getragen hat und wie einsam man im Grunde war.

Anstatt ein Mantra zu nutzen, kann man auch ein Gebet, ein Halleluja, ein Inschallah, eine Danksagung oder einen anderen kraftvollen Spruch nehmen. Umso einfacher, desto besser. Es geht hierbei aber nicht um eine ich-wünsch-mir-was-von-Gott-Haltung, sondern um komplette Hingabe, ohne Widerstand, gerade wenn die Umstände schwierig sind und man sich alleine in absoluter Dunkelheit wähnt. Eine andere, nicht-lineare Dimension beginnt in der Person zu erwachsen. Diese stille Dimension beinhaltet Akzeptanz. Ein Fürchte-dich-nicht, denn du bist niemals alleine, beginnt in einem zu erwachsen.

Einmal Praxis reicht nicht. Jeden Tag, morgens und abends, etwa 8 Minuten lang (traditionell sind 108 Wiederholungen), egal ob ich mich dabei anfangs gut oder nicht so gut fühle. Und nach 21 Tagen schaue ich nach, was in mir und um mich herum passiert ist. Die Praxis des Abgebens ist kraftvoll, meist magisch. Diese Praxis ist die Einladung dieses FlowLetters. Es ist wie ein wissenschaftliches Experiment mit sich selbst, das jedoch nur in der Praxis Früchte tragen wird. Wenn es mir gut tut, praktiziere ich es weiter, ein Leben lang. Ein festgefahrenes Dogma oder spezielle Glaubensrichtung sind hierbei nicht notwendig, denn der Garten des Loslassens ist privat und er ist frei.

In der HumanFlow® Methode ist das Abgeben das 6. Prinzip. Für diejenigen, die den Impuls aufgreifen, würden wir uns freuen über Feedback aus der Praxis.

2. Einladung zurück zur Kraftquelle

Die HumanFlow® Methode ist ein innovatives, ganzheitliches System zur Stressbewältigung. Wenn Sie noch nicht bei uns waren, laden wir Sie herzlich zur FlowKur nach Badenweiler ein. Gerne können Sie auch telefonisch erreichen, um unsere Möglichkeiten für Sie zu besprechen. Unsere Telefonnummer lautet: +49-(0)7634-5949773.

Übrigens, da man viele der Impulse für ein achtsames Leben im immer hektischeren Alltag leicht vergessen kann, ist es hilfreich immer wieder daran erinnert zu werden. Eine Möglichkeit dazu ist der Flow Newsletter. Bitte empfehlt diesen Newsletter aktiv weiter an Freunde und Familie. Denn auch eine unterstützende Community trägt dazu bei, sich nicht so alleine da draußen zu fühlen.

Für alle ehemaligen Gäste, wenn Du die Ausbildung zum HumanFlow Coach in Betracht ziehst, dann gibt es dazu vom 8.-15. Juli die nächste Chance und danach wieder vom 24. November - 1. Dezember. Mehr Infos zur Ausbildung findest Du auf der Webseite.
Wenn Du kurzfristig noch an dem FlowTime Kurs «Schritte zur Achtsamkeit» für Inspiration und Erholung teilnehmen möchtest, findest Du Infos hier. Es wird sicherlich wieder ein berührender Event für alle.

3. Bewusstseins-Erheiterung

Vier Meister üben schweigend Zazen. Nach 3 Stunden räuspert sich der eine. Nach weiteren 2 Stunden zuckt der zweite mit seinem Nasenflügel. Nach nochmals 3 Stunden schluckt der dritte Meister.
Der vierte steht auf und sagt beim Verlassen des Dojos: "Bei der Hektik hier kann man ja nicht mal in Ruhe sitzen".
Falk
Site Admin
 
Beiträge: 215
Registriert: Freitag 14. März 2008, 18:55
Wohnort: www.humanflow.de

Zurück zu Flow Newsletter Archiv

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron