FlowLetter (März 2013): Kraft aus dem Nichts

FlowLetter (März 2013): Kraft aus dem Nichts

Beitragvon Falk » Dienstag 12. März 2013, 10:03

1. Kraft aus dem Nichts

Der Mann trug ein weißes Hemd und eine dunkle Bundfaltenhose. Von Beruf war er Rechtsanwalt. Nun saß er auf der Couch vor mir und wiederholte mit seinen Händen gestikulierend den gleichen Satz bereits zum 3. Mal: » Kraft entsteht aus dem Nichts?!« Er war dabei freudig aufgeregt, wie ein junges Kind. Er hatte in sich ein Naturgesetz entdeckt, einen wunderbaren Zusammenhang, der für ihn eine praktische Veränderung bedeutete. Was war passiert?

Es war die 4. gemeinsame Coachingstunde und er hatte einige Tage damit experimentiert in seinem Alltag achtsam zu sein. Er wusste, was er zu tun hatte und war aktiv damit beschäftigt über den Tag verteilt Impulse zu geben. Immer wieder. Wahrnehmen, pures Fühlen, Loslassen, Handeln, ohne Gedanken. Immer wieder Inseln. Etwas Grundlegendes war dadurch in ihm in den letzten Tagen zur Ruhe gekommen. Etwas Echtes war passiert. Er hatte etwas erfahren und verstanden, auch wenn er es noch nicht richtig in Worte fassen konnte. Sein Schlaf hatte sich bereits verbessert und er begann tagsüber wieder Phasen zu spüren von grundloser, lebendiger Lebenskraft. Und das nach so kurzer Zeit. Die Lebenskraft kam aus ihm, aus dem »Nichts«, aus dem nicht-Denken. Er konnte diesen Zusammenhang intellektuell kaum greifen, erfuhr aber immer klarer die unbestreitbare Wirkung.

Für ihn war das besonders. Für mich als Therapeut auch, obwohl ich es schon hunderte Male erlebt hatte. Veränderung entsteht aus Wissen, Einsicht, Praxis und Perspektive.

Das Wissen natürlich kann nicht irgendein Wissen, sondern muss wesentliches Wissen sein: Wissen über sich selbst. Es handelt sich auch nicht um theoretisches Wissen, zumindest nicht nur. Es ist grundlegendes Wissen über die Kunst bei sich zu sein, weniger Kraft zu vergeuden, weniger in Gedanken verloren zu sein, sondern still verweilend im Hier und Jetzt zu sein. Es ist Wissen über das Wesen, den Kern. Wir wissen so viel über so viele Dinge, weiß ich aber wer ich bin? Das ist eine grundlegende Prüfung, die nur ich selbst in mir machen kann. Bei genauer und ernsthafter Prüfung entfaltet sich eine neue Perspektive, anders als die, die mir meine Mutter, mein Vater, die Gesellschaft, mein Partner und Freunde mitgegeben haben. Es kann unendlich befreiend wirken einmal selbst auf diese bedeutsame Reise zu gehen und sich kennenzulernen. Ich, ohne meine Geschichte. Was ist wesentlich, was nicht? Diese Prüfung ist die Basis der Erfahrung von tatsächlichem Selbstwert, denn wie könnte ich meinen Selbstwert wissen, ohne mich wirklich zu kennen?

Das wesentliche Wissen geht jedoch noch weiter, denn wenn es Wissen über den heilen Kern gibt, dann gibt es auch Wissen über das, was das Wesen überlagert: die Missverständnisse, der Nebel, der zur Störung führt.

Das biographische Verstehen ist hierbei sekundär. Wichtig ist vielmehr das einfache Grundsystem zu verstehen. Um was dreht sich die Störung und die chronische Erschöpfung wirklich? In der Regel ist das Angst, Urangst, die bereit das ganze Leben in latenter Form hintergründig vorhanden war und im Alltag aktiviert werden kann. Es kann sich dabei, zum Beispiel, um die Angst vor Wertlosigkeit oder vor Hilflosigkeit handeln. Entscheidend in der Arbeit mit Störung ist die aktive Begegnung, das Herauskommen aus der unbewussten Vermeidung. Aber wie begegne ich dem Schatten? Wie fühle ich wirklich? Das ist die eigentliche Herausforderung. Der Körper und seine Reaktion auf die innere Bedrohung ist hierbei der Schlüssel. Ich kann der Bedrohung im eigenen Körper begegnen, still sein, beobachten und schauen wovor ich renne, bzw. gegen was ich ankämpfe. Die Realität ist anders als die Vorstellung.

Es gibt natürlich noch weiteres Wissen, das wesentlich ist und in kurzer Zeit in befreiende Veränderungsprozesse führen kann. Insgesamt ist es aber nicht viel. Durch die neue Perspektive, den oft zu beobachtenden Paradigmenwechsel, plus das praktische Wissen und seine präzise Anwendung entsteht bei den meisten Menschen in relativ kurzer Zeit ein innerer Wandel. Anfangs ist natürlich alles meist noch fragil, aber einmal richtig erkannt, ist es bereits unumkehrbar. Die Person weiß bereits zu viel, um sich wie zuvor ganz im alten Muster zu verlieren. Ein Potenzial hat sich offenbart, das weit über das gängige Verständnismodel von Regeneration und Heilung hinausgeht.

Wissen vom Wesentlichen ist ein kraftvoller Schubs mit neuen Perzeptiven und Werkzeugen. Nicht kompliziert, sondern ein-Fach. Das Schöne daran: man muss nicht einmal daran glauben, damit es funktioniert. Einfach nur machen, beobachten, forschen und aktive Impulse setzen. Der kleine Einsatz von nur ein paar Tagen praktische Impulse setzen würde genügen, um den Hebel umzulegen. Oft habe ich diesen Wandel in der Therapie erlebt.

So wie der sonst eher zurückhaltende Rechtsanwalt von der praktischen Wirkung des Wissens fasziniert war, wusste ich bereits vor 7 Jahren von Anfang meiner Tätigkeit als Coach und Therapeut an, dass aus der Anwendung der aktiven Achtsamkeit im Alltag Wunder geschehen würden, die eigentlich bei genauer Hinsicht gar keine sind, sondern nur ganz normale Nebeneffekte, die aus dem Kontakt mit dem natürlichen Grundzustand eines Menschen entstehen. Die Inseln des bewussten Seins würden der Person helfen, dass Schafstörungen, Angststörungen, Unruhe, depressive Stimmungen, Bluthochdruck und fehlender Selbstwert beginnen, wie von Geisterhand abzunehmen.

Viele Male habe ich dies jetzt erfahren dürfen. Und das selbst bei Menschen, denen ihre Therapeuten aus Hilflosigkeit attestierten, dass sie austherapiert seien oder die unter einer festgefahrenen Störung litten. Grundlegendes, wesentliches Wissen führt zu einer inneren Reinigung und Neuordnung. Diese Chance sollte immer genutzt werden, bevor man aufgibt, sich vom Leiden tragen lässt oder sich der Passivität oder leeren Hoffnung verschreibt.

Und so freute ich mich mit dem glücklich angeregten Rechtsanwalt und stimmte ihm zu: » Ja, Kraft aus dem Nichts, einfach so aus mir selbst heraus. Was für ein Geschenk!«

Dieser FlowLetter ist die Einführung in einer Reihe über das Wissen, das heilt und befreit, der Kern der HumanFlow Methode. Der nächste FlowLetter wird über das Wissen über die aktive Achtsamkeit im Alltag sein.

Einen kraftvollen Tag und gute Zeit bis zum nächsten Mal, Falk

2. Das Geheimnis des Lebens

Einmal kam ein sehr ungeduldiger und ungestümer Schüler zum Meister. Er bedrängte den Weisen mit der Frage: “Meister, so verratet mir doch, was das Geheimnis des Lebens ist!”

Der Meister fragte den Schüler: “Kannst du denn ein Geheimnis für dich behalten?”

Voller Erwartung nickte der Schüler eifrig: “Ja, natürlich kann ich das. Meister – selbstverständlich.”
Der Meister schickte sich an, den Raum zu verlassen. Er drehte sich an der Tür noch einmal um und sagte: “Siehst du, ich auch.”
Falk
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