FlowLetter (Sept. 2013): Essenzielle Forschung: Urangst

FlowLetter (Sept. 2013): Essenzielle Forschung: Urangst

Beitragvon Falk » Dienstag 17. September 2013, 10:12

1. Essenzielle Forschung III: Urangst

In jedem Menschen sind Irrtümer abgespeichert. Diese Irrtümer sind versteckt, verbrauchen Unmengen von Energie und führen letztendlich zu Leiden. Teil deiner Lebensaufgabe ist es dir dieser Irrtümer bewusst zu werden und über sie hinauszuwachsen.

Glücklicherweise gibt es bei den Irrtümern viel mehr Möglichkeiten für Lösung, Verständnis und Umkehr, als du denkst und von dir momentan ausgenutzt werden. Meist jedoch sind es nicht die lauten und äußeren Lösungen, sondern die leisen feinen inneren, die zu einer nachhaltigen Veränderung führen. Der Weg dorthin ist eine Entdeckungsreise in mehr Selbstverantwortung, Bewusstheit und Authentizität, die dazu führt, dass du mehr und mehr ein Leben aus energetischer Fülle und nicht aus egoistischem Mangel und Angst führen kannst.

Die meisten Irrtümer in dir wirst du durch das eigenständige Ausnutzen deiner individuellen Möglichkeiten lösen können. Für den Rest, also das, was dann trotz deiner Bemühung noch an Schmerz oder Leiden übrig bleibt, musst du lernen mitfühlend umzugehen. Auch das ist möglich. In diesem langwierigen Prozess, kannst du energetisch rund werden, wie ein Kieselstein oder ein lebendiger Energiekreislauf, der in einem fließenden Austausch mit seiner Umwelt steht. Die individuell für dich höchst mögliche Gesundheit, Kreativität, Intuition, nachhaltige Lebenskraft und -freude sind das natürliche Resultat dieses Flusses.

Nicht Dauerstress, Getriebensein und Überlebenskrampf sind dein natürlicher Grundzustand, sondern ein Leben in Balance. Unter all den Lebewesen, hat nur der Mensch die Möglichkeit in mittel- und langfristiger Furcht, Druck und Überlebenskampf zu leben. In der Tier- und Pflanzenwelt wird diese Option nur kurzfristig erfahren. Irren ist eben typisch menschlich. Glücklicherweise ist auch das Erkennen des Irrtums typisch menschlich und so ergeben sich Möglichkeiten der bewussten Umkehr. Kein Lebewesen kann so viel und schnell ändern, wie der bewusst werdende Mensch. Die kurz- und mittelfristige Perspektive beim Menschen ist also eher deprimierend, da soviel selbstverursachtes Leiden möglich ist. Langfristig ist sie jedoch positiv und strahlend.

Auf Dauer geht es, so bin ich überzeugt, vor allem um das gelebte und erfahrbare menschliche Blühen, jenseits von Hoffnung und Versprechen. Es geht vornehmlich um das Sein und nur bedingt um den Schein. Der Schein ist nur das Marketing und die Theorie. Das Sein setzt sich letztendlich durch, auch bei einem besonders verhängnisvollen Irrtum: die Urangst.

Einer der am besten verborgenen Irrtümer in deiner Psyche ist die Urangst. Dein momentaner Umgang mit ihr verdeckt sie. Jeder Mensch »besitzt« die Urangst zu erlöschen oder keine Daseinsberechtigung zu haben, ob wissentlich oder unwissentlich, ob akut-aktiv oder passiv-schlafend. Angst und die Urangst im Speziellen, sind ursprünglich biologisch angelegt und in ihrer Funktion als Handlungsimpuls nicht nur hilfreich, sondern in manchen Situation sogar grundlegend notwendig.

Angst ist eine feine Form von Energie, aus der mit der Zeit andere Gefühle, wie Trauer, Depression, Wut und Druck entstehen können. Die rein biologischen Ängste, die wir auch mit Tieren teilen, sind die eine Gruppe der Angst. Die andere sind die typisch menschlichen Emotionen: die psychischen Ängste. Das sind die Ängste, die aus deinen Gedankenwelten und geistigen Interpretationen entstehen. Die allermeisten Gefühle, die du erfährst, entstehen aus deinen Gedanken.

So ist das Angstgefühl nicht das gleiche, wie der Angstgedanke. Das Gefühl ist sozusagen die körperliche Reaktion auf den Gedanken und weit weniger kontrollierbar, als der Gedanke. Das Gefühl ist machtvoller als der Gedanke, wobei die Übergänge zwischen den beiden Energieformen fließend sind.

Die allermächtigsten negativen Gefühle in dir sind die Urängste. Werden sie geweckt, wird es laut und wild. Es geht ums nackte Überleben. Sie können dich gefühlt an den Rand des Erlöschens bringen, selbst wenn in deiner direkten Umgebung überhaupt keine Gefahr vorhanden ist. Es fühlt sich nur so an, als ob es keinen Ausweg mehr gäbe und dein unausweichliches Schicksal besiegelt sei. Das es solch eine Bedrohung gibt und das dein Dasein tatsächlich in Gefahr sein könnte, das ist der Irrtum im System. Aus ihm können sich ausgereifte Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen, Erschöpfung und Depression entwickeln oder einfach auch nur der latente Druck des ständigen Überlebenskampfes.

Der Irrtum ist unsichtbar, residiert meist seit früher Kindheit unbemerkt im Unterbewussten und zeigt sich an der Oberfläche des Menschen als Symptomatik. Er verschlingt Unmengen deiner Energie. Er sitzt tief und ist stark. Die Urangst braucht jedoch etwas von dir: deinen Widerstand und deine Unkenntnis von ihr. Sie lebt energetisch davon, dass du unbewusst alles machst, um gegen sie zu kämpfen oder vor ihr zu flüchten. Die Angst lebt von deiner Vermeidung. Ist die Vermeidung erfolgreich, würdest du die Angst zeitweise nicht erfahren müssen. Sie ist jedoch nicht gelöst, sondern nur ruhig, wie ein schlafender Hund, der aber unweigerlich irgendwann wieder aufwachen wird.

Unerkannt können so im Unterbewussten die Urangst der Wertlosigkeit, die Urangst der Hilflosigkeit oder die Urangst des Nicht-geliebt-werdens residieren. Sie können wachsen, sich ausdehnen, sich verlagern und dein Verhalten maßgeblich beeinflussen. Letztendlich will die Urangst nur zweierlei von dir: einen bedingungslosen Platz und deine Erkenntnis, dass du nicht erlöscht wirst durch sie, weil du nicht erlöschen kannst. Im Widerstand gegen sie oder in der theoretischen Betrachtung von ihr kannst du diese Einsicht jedoch nicht erhalten. Auch wenn die praktische Begegnung im ersten Moment schmerzlich sein wird, wirst du im Verweilen ein höheres Verständnis davon tragen, ein Verständnis, dass dich befreien wird.

Manchmal findet die Begegnung in einem einzigartigen Moment statt, meistens jedoch ist es ein allmählicher Prozess, in dem du das Laufen neu erlernst, Schritt für Schritt. Zwei Dinge sind besonders hilfreich im Auflösen der Urangst. Das eine ist das Wissen, um was es bei der Angst eigentlich geht, das Benennen. Dadurch wird, ähnlich wie bei Harry Potter aus dem, dessen Namen man nicht nennen darf »Voldemort«. Der Kern der Urangst kommt ans Licht. Dabei geht es weniger um die biografischen und systemischen Zusammenhänge, sondern vielmehr um das reflektierte Erkennen der spezifischen Urangst hinter deinen Ängsten, der gemeinsame Nenner.

Als Möglichkeiten gibt es sowohl die schon erwähnte Wertlosigkeit, die Hilflosigkeit, das Nicht-geliebt-werden, als auch das Niemandsein, das Alleinsein und die Machtlosigkeit. Geknüpft an sie sind spezifische Vermeidungsstrategien, sei es durch die aktive kämpferische Unterdrückung oder durch die verängstigte Flucht, Rückzug und Selbstmitleid. Die Urangst ist der gemeinsame Nenner hinter all deinen Ängsten. In ehrlicher Stille kannst du sie erahnen.

Im zweiten Schritt müsstest du lernen ihr zu begegnen, um sie praktisch kennen zu lernen. Du strahlst Licht in den dunkelsten Teil in dir. Die praktische Begegnung ist jedoch anders als du denkst. Sie funktioniert nicht auf der Ebene von Gedankenspielen und gedanklichen Lösungen. Dort versteckt sich nur die Vermeidung. Es geht um die direkte Erfahrung im scheinbar alles vernichtenden Drachenmaul. Jenseits aller Drohungen, Vermutungen und Worte stellst du dich der Gefahr, gehst ihr sogar entgegen. Was wäre, wenn im Zentrum der Urangst gar keine Gefahr existiert, sondern ein Schatz dich dort erwartet, eine tiefe Einsicht, dass dir nichts passieren kann und du ewiglich getragen und geborgen bist.

Den Zugang zum Zentrum der Urangst ist am leichtesten über den Körper. Jede tiefe Wunde hat auch körperliche Spuren hinterlassen. Du prüfst hierzu im Moment der akuten Angst, wo in deinem Körper am meisten Energie spürbar ist. Dieser Bereich ist die Türe von der Vermeidung in die bedingungslose Begegnung. Du musst dabei nichts lösen, nichts machen, nichts wissen - nur verweilen im Auge des Sturms. Du lässt die Geschichte, Bilder und Worte los und richtest deine ganze Aufmerksamkeit auf das Zentrum der Energie, die sich in deinem Bauch, Brust, Herz, Hals oder Kopf als Druck, Unruhe, Schmerz oder Enge zeigen wird. Finde den energetisch engsten Punkt in diesem Bereich und verweile still im kommentarlosen Fühlen. Das ist dein Fokuspunkt. Er gibt dir Halt. Komme immer wieder zurück zu ihm.

Schenke ihm deine ganze Aufmerksamkeit, dann lasse körperlich los, gebe auf und bleibe mit der Aufmerksamkeit im pure Fühlen von Energie. Wenn du dich in der Gedankengeschichte verlieren solltest, das sind die unbewusste Vermeidung und die Ablenkungsmanöver der Gewohnheit, folge ihr nicht weiter. Sie führt dich nur tiefer in den Irrtum. Komme zurück zum Fühlen des Körpers, ohne Geschichte. Sei still mit der Energie im Körper. Die Urangst kann dir drohen, sie kann dir aber nichts machen, denn sie will dir gar nichts machen. Sie möchte nur, dass du sie fühlst und im Fühlen erkennst, dass sich im Zentrum deiner größten Bedrohung keine tatsächliche Bedrohung befindet. Dir kann nichts passieren. Deine Existenz ist nicht in Gefahr.

Wenn du dieses offene Geheimnis in der praktischen Erfahrung verstanden hast, dann lässt dich die existenzielle Bedrohung los. Die Urangst des kleinen Kindes basierte auf einem Irrtum. Damit der Irrtum sich löst, müsstest du eine höhere Wahrheit entdecken. Die Realität befreit, auch wenn sie im ersten Moment unendlich schmerzhaft sein kann. Dadurch öffnen sich neue Möglichkeiten im Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen, bei denen du nicht von Angst bestimmt wirst, sondern von mehr Freiheit und Bewusstheit getragen bist.

Die Dunkelheit zu erforschen (der therapeutische Weg) ist für die meisten Menschen wenigstens genauso wichtig, wie das Licht zu erforschen (der spirituelle Weg). Am Ende beider Wege wartet das Licht, das du von Anfang an bist, immer gewesen bist und immer sein wirst - ein Prozess vom Menschwerden zum Menschsein. Die Methode des offenen Herzens kann dir dabei eine feine Hilfe sein. Nutze sie und forsche mit ihr.

Eine bewusste Zeit,
Falk
www.humanflow.de

P.s. Der Titel Urangst wird der vorerst letzte Teil in der essenziellen Forschungsreihe sein, obwohl es sicherlich noch einige andere Bereiche gibt, in denen sich die eigenverantwortliche Erfoschung lohnt und dir realistische Wege in mehr energetische Nachhaltigkeit eröffnen kann. Der Grund für das abrupte Ende der Reihe ist, dass aus der ursprünglichen Newsletter-Idee mittlerweile ein ganzes Buch entstanden ist, das tiefer, ausführlicher und ganzheitlicher auf die unterschiedlichen Elemente der essenziellen Forschung eingehen wird. Ich denke, dadurch bekommt das Wissen über dein Inneres und die Zusammenhänge einen würdigeren Platz und Raum.

Seit nunmehr 5 Monaten schreibe ich fast täglich an ihm. Ich fühle mich in dem Entstehungsprozess wie getragen. Es wird noch etwas dauern, bist das Werk fertig ist, vielleicht Ende 1. Quartal 2014, inchallah. Ich werde dich jedenfalls informieren, wenn es soweit ist. Der Weg ist richtig.

2. Himmel und Hölle

Ein mächtiger Samurai beschloss, eine spirituelle Bildung zu vertiefen. So machte er sich auf, einen berühmten buddhistischen Mönch zu suchen, der als Einsiedler hoch in den Bergen lebte.

Als er ihn gefunden hatte, forderte er: "Lehre mich, was Himmel und Hölle sind!"

Der alte Mönch sah langsam zu dem Samurai auf, der über ihn stand, und musterte ihn von Kopf bis Fuß. "Dich lehren?" kicherte er. "Du musst sehr dumm sein, wenn du denkst, ich könnte einen wie dich etwas lehren. Schau dich an, du bist unrasiert, du stinkst, und die Schwert ist wahrscheinlich verrostet."

Der Samurai geriet in Wut. Sein Gesicht wurde rot vor Zorn, als er sein Schwert zog, um dem lächerlichen Mönch, der da vor ihm saß, den Kopf abzuschlagen.

"Das", sagte der Mönch ruhig, "ist die Hölle."

Der Samurai ließ sein Schwert fallen. Erst überkam ihn Reue, dann tiefe Zuneigung zu dem alten Mann.

Das dieser Mönch sein Leben riskiert hatte, um einen völlig Fremden etwas zu lehren, erfüllte sein Herz mit Liebe und Mitgefühl. Tränen stiegen in seine Augen.

"Und das", sagte der Mönch, "ist der Himmel."

Aus: "DAS SPIRITUELLE LESEBUCH" von M. und R. DAHLKE
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