FlowLetter (Nov. 2013): Gemeinsam wachsen

FlowLetter (Nov. 2013): Gemeinsam wachsen

Beitragvon Falk » Dienstag 5. November 2013, 09:10

1. Gemeinsam wachsen

Immer wieder beobachte ich in den FlowKuren, FlowTime Kursen und Ausbildungen wie wildfremde Menschen mit den unterschiedlichsten sozialen Hintergründen, Berufen, Prägungen und Interessen im Laufe von nur wenigen Tagen zueinander finden und eine feine Gemeinschaft entsteht. Nicht selten fließen zum Abschied Tränen, Adresslisten werden ausgetauscht, Fotos gemacht und manche bleiben über Jahre miteinander im Kontakt. Regelmäßig höre ich von den Gästen Aussagen darüber, wie wohltuend und wichtig die Menschen in der Gruppe für das eigenen Wohlbefinden und bessere Verständnis waren. Diese Gemeinschaften entstehen, obwohl ich am Anfang regelmäßig darauf hinweise, dass die Teilnehmer sich nicht im gegenseitigen Erzählen von Lebensläufen und Leidensgeschichten verlieren sollten, sondern den freien, offenen Austausch im Hier und Jetzt in den Mittelpunkt ihrer Begegnung stellen sollten.

Die Unterschiede an der Oberfläche des Daseins spielen bereits nach kurzer Zeit keine entscheidende Rolle mehr. Im Gegenteil, die Beschäftigung mit dem Wesentlichen, nämlich mit sich selbst und der eigenen Menschlichkeit, scheint ein besonders verbindendes Kraut zu sein. Es wirkt so katalytisch auf die natürliche Bildung von Gemeinschaft, dass der erste Eindruck der Unterschiedlichkeit bereits nach ein paar Tagen nicht mehr dagegen ankommt.

Wenn eine Gemeinschaft entsteht, die auf einem geteilten tieferen Sinn basiert und gleichzeitig die eigene Individualität so sein darf, wie sie eben ist, dann entwickelt sich bei den meisten Personen schnell ein Heimatgefühl. Heimat ist dort, wo du du selbst sein darfst. Die offenen Gruppen geben einen Geschmack davon. Die Gemeinsamkeit basiert auf einem unsichtbaren, organisch gewachsenen Nährboden von Menschlichkeit.

Die Beziehungen in dieser Gemeinschaft bestehen aus einem Geben und Nehmen, ein dynamisches Gleichgewicht zwischen Freiraum, Form, Lachen und Tränen. Dieser ungezwungene Austausch zwischen mehreren Menschen, die sich ums Wesentliche kümmern, erzeugt für die Beteiligten ein mehr an Lebenskraft. Die Energie zwischen dir und mir und uns kommt ins Fließen.

In der Beschäftigung mit dir selbst, beginnst du erst dich und dann die anderen zu sehen. Aber auch die anderen Menschen beginnen dich zu sehen, zu fühlen und zu hören. Dabei geht es nur zum Teil um Worte. Oftmals sind es die Nicht-Worte, das Nicht-Machen und Nicht-Darstellen, die verbinden. Willst du nicht auch mit anderen einfach, ohne Verkünstelung oder Mühe, du selbst sein dürfen? Alle wollen dies und sehnen sich insgeheim nach dem dadurch entstehenden Frieden.

Im Sanskrit ist das Wort für diese Art von tragender Gemeinschaft Sangha. In manchen buddhistischen und hinduistischen Traditionen wird die Sangha als ein legitimer und für viele Menschen notwendiger Aspekt in der menschlichen Entwicklung zu höherer Weisheit angesehen. Auch die christlichen, jüdischen und islamischen Gemeinden tragen im Kern diese Idee. Jeder Mensch der einmal von einer Gemeinschaft getragen war, sei es von Familie, Nachbarschaft, Verein, Freundeskreis, Religion oder Interessenverband, kann ihre kraftvolle und heilsame Wirkung bestätigen.

Natürlich führt nicht jede Gemeinschaft in die Nachhaltigkeit, ganz im Gegenteil. Wenn eine Gemeinschaft sich über andere Gemeinschaften stellt oder sich und seine Regeln über die individuelle Freiheit erhebt und die Eigenverantwortung unterbindet, dann entstehen früher oder später Enge, Starre und Unwahres. Es wird anstrengend. Insgesamt und auf Dauer sollte eine Beziehung und Gemeinschaft der Einzelperson Kraft schenken und zur Freiheit beitragen. Ob das wirklich so ist, das muss jeder für sich selbst erforschen, fühlen und beantworten. Lebenskraft darf auf Dauer keine Theorie, Worte oder leere Hoffnung, sondern muss direkt erfahrbar sein. Ein sanftes, normales inneres Fließen würde vollkommen dafür ausreichen. Die Frage für die Unterscheidung bleibt dabei immer die selbe: tut die Gemeinschaft dir gut?

Gemeinschaft muss nicht immer Freude sein, denn auch das Leben ist nicht immer ein Fest, zumindest so lange nicht, bis du und ich so bewusst und weise geworden sind und das ganze Spiel durchschaut haben. Egoistische Gemeinschaften und Beziehungen sind die, die insgesamt mehr von deiner Kraft ziehen, als sie dir schenken. Sie saugen deine Energie. Kein wirkliche Austausch kommt zustande, sondern eher ein einseitiges Abernten deiner Lebensenergie. Manche dieser einseitig orientierten Personen, Gruppen oder Firmen sind leicht zu durchschauen, da sie offensichtlich und plump vorgehen.

Die weitaus schwierigeren sind die Beziehungen und Gemeinschaften, wo das vordergründige Darstellungsbild zuerst Vorteile verspricht und die Einseitigkeit dann später zum Vorschein kommt. Diese Beziehungen basieren auf einem Lockangebot und irreführender Werbung. Irgendwann muss der Egoismus sich jedoch offenbaren, denn er möchte letztendlich etwas von dir: deine Lebensenergie, in welcher Form auch immer (Zeit, Können, Aufmerksamkeit, Leistung, Geld, Macht, usw.).

Umso bewusster du wirst, desto früher erkennst du die Einseitigkeit. Dann musst du nein sagen können, denn auf Dauer hat keine Gemeinschaft das Recht dich einzuengen, unfrei oder gar krank machen, auch keine Familie oder Religion.

Gemeinschaft bedeutet auch gemeinsam zu wachsen. Mit der Zeit verschwinden nämlich die Grenzen zwischen höher und tiefer, zwischen Lehrer und Schüler. Es entwickelt sich ein Treffen und Wachsen auf Augenhöhe, wo alle Seiten und die Umwelt einen langfristigen Nutzen aus der Gemeinschaft ziehen. Freie Lebensenergie beginnt zwischen den Menschen zu zirkulieren. Der Mensch blüht in seinem Selbstsein, ist jedoch getragen von der Gemeinschaft und der höhere Kraft. Es ist ein seltenes Geschenk, Teil einer solch langfristig orientierten Gemeinschaft zu sein.

Wenn du dich in solch einer Gemeinschaft befindest und zu ihrer Entwicklung aktiv beitragen kannst, dann gratuliere ich dir, belebe und schütze sie. Sie ist besonders wertvoll und kann eine starke Quelle deiner und anderer Lebenskraft sein. Wenn du keinen Zugang zu einer Sangha besitzt, schaue dich um nach einer oder baue sie dir auf, selbst wenn es eine Zeitlang dauern sollte. Es lohnt sich. Der erste Schritt wäre zu wissen, was du willst und für was zu stehst. Ist das für dich einmal klarer formuliert und du bist stabil darin, ziehst du andere an, die ähnlich denken und fühlen. Der gemeinsame Nährboden verbindet aus der Tiefe heraus. Ein Rückgrat kann sich bilden.

Das Internet bietet für die Suche und den Aufbau viele Möglichkeiten und muss nicht das sein, was Menschen weiter voneinander entfernt, sondern kann dazu beitragen Gleich-, Ähnlich- und Andersdenkende zu finden, mit denen du einen gemeinsamen tieferen Sinn teilst und lebst.

In der persönlichen Entwicklung zu einer nachhaltigen und bewussten Lebensweise mit einem hohen Maß an natürlicher Lebenskraft und Freude, gibt es unterschiedliche Faktoren und Einflüsse, die maßgeblich zu einem dynamischen Lebenswerk zusammenwachsen können. Viele dieser Faktoren, wie die alltägliche Achtsamkeit, Selbstkenntnis, Erforschung der eigenen Irrtümer, Mitgefühl, Gebet, Sinnhaftigkeit, Glaubensmusterarbeit und andere habe ich in den FlowLettern der vergangenen Jahre angesprochen. Sie wirken im organischen Zusammenspiel wie ein Baukasten der persönlichen Lebenskraft. Aber es gibt natürliche noch etliche andere innere und äußere Quellen von Energie. Die Sangha, ist meiner Meinung nach, eine der erfülltesten davon, erinnert sie doch an das unendliche Getragensein durch die Mutter Natur.

Viele Menschen sind über die Jahrzehnte zu Einzelkämpferinnen oder Einzelkämpfern geworden, stehen im Alltag ihre Frau oder Mann oder habe sich aus Verletzung in einen permanenten Rückzug begeben. So verständlich und nachvollziehbar dies für mich ist, als soziales Wesen, entziehst du dir ohne Gemeinschaft auf Dauer eine der größten Quellen von Lebenskraft und Sicherheit. Weder Kampf noch Flucht sind auf Dauer Lösungen.

Was also ist deine Sangha? What’s your gang (amerik.)? Und wenn keine sichtbar ist, was für eine möchtest du und was kannst du dafür machen? Eine für dich passende Gemeinschaft, unter voller Berücksichtigung deiner individuellen Freiheit, existiert bereits und »wartet« auf dich. Ihr wisst nur noch nichts voneinander. Mache den ersten Schritt, stehe auf und zeige dich. Gemeinsam wachsen zu dürfen ist aus meiner eigenen Erfahrung heraus ein Geschenk. Vielleicht ist diese Form der Gemeinschaft sogar die Zukunft für große Teile unserer Gesellschaft. Es ist möglich, vielleicht sogar wahrscheinlich, denn es ist die natürliche Reaktion auf den Schmerz aus dem Getrenntsein.

Zum Abschluss meines Appells für offene Gemeinschafen möchte ich die Gelegenheit hier nutzen, dir und euch, liebe Leserinnen und Leser, für den Feedback, viele Danksagungen und regelmäßigen Wünsche zu bedanken. Das tut mir und uns gut, schenkt Kraft und ist für mich ebenfalls Sangha. Danke, danke, danke.

Einen guten Tag, gemeinsam wachsend,
Falk

2. Die 7 Weltwunder

Eine Schulklasse wurde gebeten zu notieren, welches für sie die Sieben Weltwunder wären. Folgende Rangliste kam zustande:

Pyramiden von Gizeh
Taj Mahal
Grand Canyon
Panamakanal
Empire State Building
St. Peters Dom im Vatikan
Grosse Mauer China

Die Lehrerin merkte beim Einsammeln der Resultate, dass eine Schülerin noch am Arbeiten war. Deshalb fragte sie die junge Frau, ob sie Probleme mit ihrer Liste hätte.
Sie antwortete: "Ja. Ich konnte meine Entscheidung nicht ganz treffen. Es gibt so viele Wunder."

Die Lehrerin sagte: "Nun, teilen Sie uns das mit, was Sie bisher haben und vielleicht können wir ja helfen." Die junge Frau zögerte zuerst und las dann vor. "Für mich sind das die Sieben Weltwunder:

Sehen
Hören
sich Berühren
Riechen
Fühlen
Lachen ...
... und Lieben

Im Zimmer wurde es ganz still. Diese alltäglichen Dinge, die wir als selbstverständlich betrachten und oft gar nicht realisieren, sind wirklich wunderbar. Die kostbarsten Sachen im Leben sind jene, die nicht gekauft und nicht hergestellt werden können.

Beachte es, genieße es, lebe es und gib es weiter.

Quelle: http://www.lichtkreis.at
Falk
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