FlowLetter (Dez. 2013): Von drauß vom Walde...

FlowLetter (Dez. 2013): Von drauß vom Walde...

Beitragvon Falk » Dienstag 18. Februar 2014, 18:47

1. Von drauß' vom Walde komm ich her...

und muss euch sagen, es weihnachtet sehr. Daher diesmal passend zur Jahreszeit ein kleines, praktisches Geschenk: die FreeFlow Meditation.

Als ich als junger Bub mit Lego oder anderen Spielsachen spielte, kam es regelmäßig vor, dass mein Vater mich daran erinnerte mein Wörtchen zu denken. Bei dem Wörtchen handelte es sich um ein Kindermantra, das er mir bereits im Alter von 4 Jahren beigebracht hatte und das mir besondere Kräfte und Schutz verleihen würde. So wiederholte ich den Sanskritklang gedanklich einige Male und war dann wieder ganz im Raumschifflegobauen verloren. Dieses Abschweifen jedoch, und da war ich mir ziemlich sicher, konnte er nicht sehen.

Zu meiner spirituellen Prägung durch meine Eltern kam dazu, dass ich mit 8 Jahren von meinem Vater in eine Erwachsenenmeditation eingeführt wurde. Das war ein Festtag und kam mir vor wie ein Übergang in eine größere Bedeutsamkeit. Ab da durfte ich morgens und abends mit den Großen meditieren. Jeweils 20 Minuten lang, nachdem ich davor bereits einige Atemübungen und oft auch Yoga praktiziert hatte, wiederholte ich mit geschlossenen Augen den wundersamen, alten Klang, der viele Versprechen und Hoffnungen in sich barg.

Mit 16 Jahren lernte ich dann Fortgeschrittenentechniken kennen, die darauf abzielten, spezielle Impulse, wie Freundlichkeit, Stärke und Mitgefühl in die innere Stille zu pflanzen. Die Übungen waren ein fester Bestandteil meiner täglichen Routine und die Ausrichtung auf die persönliche Bewusstseinsentwicklung ein selbstverständlicher Teil meiner frühkindlichen Erziehung.

Als junger Mensch haderte ich oft mit meinem Anderssein, mittlerweile jedoch bin ich dankbar für die Erstprägung. In meinen fast 40 Jahren Meditationserfahrung ging ich durch unterschiedliche Phasen angefangen vom kindlich-naiven, blinden Befolgen, über das jugendliche Reflektieren, dann die Rebellion dagegen, danach das eigenständige, freie Experimentieren bis hin zu meinem heutigen Verständnis.

Dieses Verständnis über die Einfachheit der Meditation möchte ich mit dir teilen, sodass wenn du an der Praxis der Meditation ein Interesse hast, du einen einfachen Zugang dazu findest und dich nicht allzu leicht im Dickicht der Missverständnisse und Irrtümer verlierst.

Auch wenn Meditation im Westen aus wissenschaftlich geprägter Perspektive oft auf Entspannung und Stressbewältigung reduziert wird, ist sie immer auch ein Weg in die Selbsterkenntnis. Meditation ist ein Vehikel in die Tiefe von dir selbst und so gibt es auch nicht nur einen oder den einen besten Weg, sondern tausende und tausende von unterschiedlichen Möglichkeiten der Einkehr. Die unausgesprochene Einladung an dich ist letztendlich den deinigen Weg zu finden.

In diesem Letter möchte ich dir einen Ansatz vorschlagen, der die, meiner Meinung nach, 3 wichtigsten Schwerpunkte der Meditation fließend vereint. Mit Zeit und Praxis kannst du dadurch leichter deine eigene persönliche Meditationsart entdecken und spielerisch mit den Kernprinzipien im Alltag jonglieren. Angelica und ich nennen den hierin beschriebenen Ansatz FreeFlow Meditation.

Ganz allgemein gilt, wenn du mit Meditation beginnst, wähle eine stille Umgebung, in der du weniger leicht von außen abgelenkt werden kannst. Erst mit etwas mehr Erfahrung von bewusster Stille solltest du in einer »lauten« Umgebung praktizieren. Investiere täglich wenigstens 10-20 Minuten in deine Meditation, am besten morgens, wenn du wach bist oder einfach jetzt.

Im ersten Schritt empfehle ich dir die Meditation im Sitzen und mit Augen zu zu machen. Entspanne erst einmal deinen Körper und atme natürlich und tief, so gut es geht. Fühle dich für einige Momente. Beginne nun den Fokus deiner Aufmerksamkeit auf eine einfache Form, einen Gedanken, zu lenken. Wähle dafür eine der drei folgenden Fokusmöglichkeiten, nämlich die, die dich im ersten Impuls am meisten anzieht. Du kannst keinen Fehler bei der Auswahl machen. a.) Einjama (der Klang steht für das Getragensein durch die göttliche Mutter, in Indien u.a. durch die Göttin Saraswati symbolisiert). b.) Schiam (steht für das Getragensein durch den göttlichen Vater, in Indien u.a. durch Shiva ausgedrückt). c.) Soham (steht für das Getragensein durch die göttlichen Eltern und wird übersetzt als ich bin).

Jeder dieser uralten Klänge wirkt auf der Ebene der Bedeutung, aber noch mehr auf der Klangebene selbst. Nachdem du dich für einen der drei Klänge entschieden hast, beginne mit seiner gedanklichen Wiederholung.

Versuche die Wiederholung mit einem gezielten, jedoch sanften Fokus, ohne eine angestrengte Konzentration zu praktizieren. Dein Körper sollte dabei immer wieder bewusst locker gelassen werden. Fokussiere deine Aufmerksamkeit auf den Klang, den du fortlaufend in die wiederholst. Im Sanskrit wird dieser Klang Mantra genannt. Er hat eine tragende, positive Wirkung und dient der inneren Sammlung und Vereinfachung. Die anderen gewöhnlichen Objekte der Wahrnehmung, wie die anderen Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen rücken durch den Fokus auf das Eine tendenziell in den Hintergrund. Sie verlieren an Wichtigkeit.

Diese erste Komponente der Meditation ist der Fokus. Er dient dem natürlichen Zentrieren. Prinzipiell können auch andere Fokuspunkte als ein Mantra benutzt werden, wie deinen Atemzug, deine Fußsohle beim Gehen, ein affirmierender Gedanke, Vogelgezwitscher, dein Körper und vieles mehr. Beginne jedoch die Fokuserkundung mit einem der 3 Mantren. Es könnte ein intimer Teil deines persönlichen Weges werden. Gebe nicht sofort auf, wenn nicht alles nach Plan verläuft. Das gehört dazu.

Nachdem du dich für einige Minuten sanft ausgerichtet hast und es tatsächlich stiller und einfacher in dir geworden ist, erlaube die Ausdehnung von deinem Fokus in die Erfahrung von Weite. Weite ist die zweite Komponente der FreeFlow Meditation. Du hältst also nicht starr an der Form und am Machen fest, sondern erlaubst, dass sie sich verfeinert und letztendlich ganz auflöst. Dieser Aspekt der Meditation ist eher ein Fühlen, als ein Denken. Du badest sozusagen im Hiersein, erfährst dich selbst, ohne etwas machen, schaffen, wissen oder erreichen zu müssen. Gedanken, Gefühle und Erfahrungen kommen und gehen. Du bleibst.

Angenehme Gefühle, wie Frieden, Mitgefühl, Freiheit und Sicherheit können aus der wohligen Weite in den Vordergrund der Erfahrung treten und deine Aufmerksamkeit ergreifen. Erlaube auch ihnen zu kommen und zu gehen. Mal ist die Erfahrung klar und mal weniger klar. Wenn du dich in Gedanken verlierst und das wird immer wieder passieren, ist das nicht schlimm, sondern natürlich. Es gibt keine Schuld. Du kannst über den Fokus jederzeit wieder zurückkehren in die Weite oder einfach direkt ohne Umweg in der formlosen Weite ruhen. Die Weite ist ein Bad im grundlosen Wohlsein.

Nach Fokus und Weite kommt die dritte Komponente, Selbstbezug. Dieser Aspekt ist wie ein Klopfen an einer inneren Türe. Wenn du also lebendige Weite erfährst, stelle folgende Frage: Wer bin ich? Beantworte die Frage jedoch nicht selbst, sondern sei still und lausche in die Stille. Ist die Frage relevant für dich, öffnet sich mit ihr früher oder später eine Türe in ein tieferes Verständnis von Sinn, von Quelle und von Wahrheit, aber anders als du denkst. Diese Einsicht wird nicht analytisch-intellektuellem Ursprungs sein, sondern viel kompletter, genauer und klarer aus der Erfahrung heraus, wie es wirklich ist.

Alle drei Aspekte der Meditation, Fokus, Weite und Selbstbezug, können unabhängig voneinander praktiziert werden, auch wenn sie in der natürlichen Entwicklung untrennbar miteinander verknüpft sind und ineinander überfließen.

Auch wenn der erste Zugang mit Augen zu in Stille und in der Natur für die meisten Menschen leichter ist, kannst du auch mitten im Alltag fokussieren, Weite erfahren und dir antwortlose die Frage nach dem wer du bist stellen. Dein Alltag wird dann zur Meditation, wobei du jedoch nicht meditativ-verloren sein sollst, sondern klar und anwesend. Bei der FreeFlow Meditation geht es weder um eine besondere mystische Erfahrung, Gedankenleere oder Erleuchtung, sondern einfach um die persönliche Entwicklung und um ein tieferes Verständnis von dem was ist. Es darf für dich natürlich werden, sich um dich selbst zu kümmern und dir selbst nah zu sein.

Übrigens, Meditation kann bei Menschen, die eine Therapie benötigen, auf Dauer die Therapie nicht ersetzen. Sie kann sie jedoch ergänzen und den Heilprozess beschleunigen. Nichts muss weg meditiert werden. Bewusstheit beinhaltet alle Bereiche und alle Ebenen des Menschseins.

Die Anregung zur FreeFlow Meditation sind unser diesjähriges Weihnachtsgeschenk an dich. Ich hoffe, es fällt auf fruchtbaren Boden und darf Teil deiner täglichen Regeneration und Vertiefung sein. Du bist herzlich eingeladen diesen Impuls auch mit anderen zu teilen. Sie sind GEMA-frei. Auch möchte ich an dieser Stelle all den meisterhaften Lehrern und Lehrerinnen, insbesondere Ramana Maharishi und Maharishi Mahesh Yogi, die uns mit ihrem Wissen zur FreeFlow Meditation inspiriert und geführt haben, danken.

Merry X-mas,
Falk, Angelica und das gesamte HumanFlow Team
Falk
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