FlowLetter (Nov 2014): Die unglaubliche Reise zu dir selbst

FlowLetter (Nov 2014): Die unglaubliche Reise zu dir selbst

Beitragvon Falk » Montag 3. November 2014, 07:24

Umso mehr Erfahrung ich als Therapeut und Coach sammele, desto mehr fällt mir auf, wie wenig ich eigentlich weiß und wie eingeschränkt selbst mein Fachwissen ist. Vor allem fällt mir dies auf, wenn ich auf eine neue große Perspektive oder Herangehensweise stoße, die das Alte als einen alten Hut oder gar oberflächlich erscheinen lässt.

Ich sehe und arbeite mittlerweile schon lange nicht mehr nur in zwei Welten, der kranken und der gesunden, sondern sehe Welten innerhalb von Welten, die alle ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen. Nichts ist wie es im ersten Moment scheint, denn jede Welt hängt mit dem Bewusstsein des Betrachters zusammen und das kann sich bekanntlich ändern. So war meine Perspektive als ambitionierter, junger Investment Banker in den 90ern in den USA grundlegend anders als meine heutige Perspektive im Gesundheitsbereich.

Umso mehr Welten sich auftuen, desto klarer wird mir auch die Möglichkeiten, dass es noch unendlich andere Welten geben muss. Alle diese Welten sind unterschiedliche Wissensebenen, die jedoch irgendwie alle miteinander verknüpft sind. Sie existieren wie Parallelwelten, sind aber in Wirklichkeit wohl unterschiedliche Grade der Annäherung an die Wahrheit. Nichtsdestoweniger, alle Welten, auch die feinen und die ganz feinen, basieren auf Konzepten, sind also nicht die absolute Wahrheit.

Die Wahrheit, so denke ich, ist einfach das, was ist, ohne Eingrenzung in irgendein Konzept. Man kann sie nicht aussprechen, aber irgendwie fühlen. Kein intellektuelles Verständnis ist jemals die Wahrheit. Trotzdem suchen wir nach ihr. Sie zieht uns magisch an, denn sie verspricht Erlösung. Manche Menschen suchen bewusst nach der Wahrheit. Die anderen suchen sie unbewusst und benennen sie anders. Für manche ist die Wahrheit ein roter Ferrari, für andere wiederum intellektuelles Wissen oder eine gesunde Familie und für andere einfach ein Urlaub in der Karibik.

Alles davon stimmt aus der Perspektive der Person. Verbirgt sich dahinter nicht jedoch die Sehnsucht nach einer noch tieferen Erfahrung? Was ist der Herzenswunsch hinter all den unterschiedlichen Wünschen? Was will man wirklich?

Ich glaube der beste Weg zur Wahrheit ist über Wissen. In der Psychotherapie führt Wissen zur Verbesserung und Genesung eines Menschen. Dieses Wissen ist das Wissen über sich selbst. Auf dem Weg des Wissens entdeckst und erfährst du mehr und mehr das was ist, aus deiner individuellen Perspektive mit deinen individuellen Talenten und Grenzen. Nur ein relativ kleiner Teil dieses Wissens kann logisch-intellektuell verstanden, integriert und gelebt werden. Der weitaus größte Teil dieses Wissens sinkt erst durch deine persönliche Lebenserfahrung und Entwicklung in die Tiefe des Herzens und des gelebten Lebens.

Das Leben ist wie eine große Schule und die Menschen und Umstände, die dich umgeben, sind die bestmöglichen Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten, die es für dich geben könnte. Wenn ich nach vorne zum Horizont schaue, erahne ich, das Ziel ist mehr und mehr zu lieben, was ist und auf dem Weg dorthin an all dem, was man unmöglich lieben kann, zu wachsen.

Es scheint, dass wir oft in Kreisen von Gleichgesinnten reisen, wie dem eigenen Familienkreis. Wir haben ein ähnliches Grundthema, auch wenn der Umgang mit dem gleichen Thema grundverschieden sein kann. Auf dem Weg zum Lieben was ist, gibt es neben der Liebe noch andere Qualitäten zu entdecken, wie Mitgefühl, Achtsamkeit, Hoffnung, Vertrauen und Weisheit. Jeder einzelne dieser Werte eröffnet ein ganzes Universum, an dem wir im Leben oft nur ein bisschen kratzen.

Auch wenn die individuellen Wege, Talente und Bewusstseinsebenen immer einzigartig sind, steuern wir alle doch irgendwie auf das selbe hintergründige Ziel zu. Auf der Ebene des Ziels sind wir sozusagen Eins. Auch auf der Ebene des Seins gibt es kein Zweites. Und auch in der tiefen Sehnsucht, die in Zeiten der zunehmenden Geschwindigkeit für viele Menschen immer deutlicher wird, treffen wir uns. Es existieren offensichtlich viel mehr Gemeinsamkeiten, die uns vereinen, als Unterschiede, die uns trennen. Dies gilt grenzüberschreitend von Religionen, Kulturen, Einkommensklassen und Nationen.

Um diese Ebene von Verbundenheit zu erfahren und zu verstehen, braucht es Wissen, tiefes und noch tieferes Wissen über sich selbst. Es geht um Wissen über die Quelle, das Wesentliche, die Grenzen, den Sinn, die Talente, das Mitgefühl, die Verbundenheit und die Liebe. Auf dieser Reise nimmt das individuelle Bewusstsein unweigerlich zu.

Auf Dauer wird es die Reife des kollektiven Bewusstseins sein, das zu einer globalen Veränderung und neuen Erde führen wird und nicht ein Freihandelsabkommen, der ständige Optimierungsdrang, der Krieg, das Internet, der offene oder versteckte Egoismus und die alltägliche Bequemlichkeit. Kurzum, es braucht mehr als die Oberfläche, es braucht Nähe zu dir selbst.

Nähe zu dir selbst kann schmerzlich sein, denn sie führt an deine Grenzen. Auf Dauer jedoch führt sie darüber hinaus. Um Nähe zu entwickeln, hast du Zeit: dein Leben lang. Du wirst nichts erzwingen können oder müssen. Dein Wachstum ist geführt.

Sich selbst mehr und mehr kennen zu lernen, auch mit der Gefahr, dass man irgendwann erkennt, dass man gar nichts weiß, ist ein besonderes Geschenk, ein Geschenk, das demütig und ehrfürchtig machen kann. Es ist ein Geschenk, das das Leben trotz der äußeren Geschwindigkeit verlangsamt, erinnert es doch an den rechten Weg.

Dieses Wissen über sich selbst in sich zu erforschen und mit anderen zu teilen, bzw. zu vertiefen, ist im Zeichen der Zeit und der globalen Vernetzung. Das Wissen wächst in Kreisen. Wir sind als Individuen und als Menschheit nicht wirklich verloren, wir suchen nur noch. Das Verlorensein gehört zum Weg. Gemeinsamkeit, Sicherheit und Liebe zu finden und zu teilen, ist unsere Bestimmung, früher oder später.

Auf der unglaublichen Reise zu dir selbst, was ist dein Herzenswunsch?

Gruß,
Falk
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