FlowLetter (April 2015): Eins

FlowLetter (April 2015): Eins

Beitragvon Falk » Sonntag 26. April 2015, 05:58

Eins

Ein indischer Meister sagte einmal: alles ist Eins! Wir alle suchen unbewusst nach dieser Erfahrung von Einheit. Da die Realität unfassbar nah ist, übersieht man sie bis zu der Zeit, wenn sie nicht mehr übersehen wird. Wird sie bewusst erfahren, wird sie verstanden, auch wenn sie nicht erklärt werden kann. Sie ist das Eine, ohne ein Zweites. In dem Zustand von Eins, erfährst du absolute Sicherheit und grenzenlose Freiheit. Ist der Zustand klar, ist er zugleich leise und doch unüberhörbar laut.

In all den Projekten des Lebens, wie Partnerschaft, Kinder, Karriere, Freundschaften, Erfolg, Haus, Urlaub, aber auch Sex, Meditation, Drogen, Ernährung, Lifestyle und Sport suchen wir die Erfüllung zweier Grundbedürfnisse: Sicherheit und Freiheit. Ohne es bewusst zu wissen oder zu ahnen, suchen wir nach dem Zustand, der diese Bedürfnisse bedient: Einheit.

Erfahren wir Einheit im Außen, dann erleben wir sie auch im Innen, zumindest zeitweise. Es genügt bereits die Perspektive von Einheit in die Zukunft zu projezieren, um ihren Geschmack in der Gegenwart zu erleben, wie eine süße Vorfreude aufs Erfülltsein.

Das Gegenteil von Einheit ist die Erfahrung des Getrenntseins. Sie schmerzt, strengt an und lässt uns verzweifeln. Wie viele erwachsene Menschen, ob arm oder reich, leben in der vornehmlichen Erfahrung der Trennung und des Mangels? Ein Individuum getrennt vom sicheren Ufer und beschäftigt mit dem stürmischen und kalten Wind der alltäglichen Komplexität und Geschwindigkeit.

Warum fühlen wir angenehme Gefühle, wenn wir in tiefer Verbindung sind mit anderen Menschen, mit einem Haustier, mit der Natur oder mit uns selbst? Weil die Verbundenheit der Realität des Lebens näher kommt: alles ist Eins. Wenn wir eine Trennung erfahren durch Abwertung, durch Verlust, durch Ausgrenzung, durch Krankheit oder weil man den Bezug zu sich verloren hat, dann entstehen negative Gefühle, weil dsa Getrenntsein weiter von der eigentlichen Realität entfernt liegt. Jedes positive Gefühl ist ein Hinweis darauf, dass dein Grundbedürfnis von mehr Sicherheit und/oder Freiheit erfüllt wurde, jedes negative ein Hinweis auf das Gegenteil.

Es gibt viele Möglichkeiten der Beziehung, die zu einer Erfahrung von mehr Einheit führen können, aber nur eine unter ihnen wird auf Dauer die Sehnsucht in dir stillen: deine Beziehung mit dem Selbst. Selbstbezug wird oft missverstanden. Beim Selbstbezug handelt sich nicht primär um die Beziehung mit deinen Gedanken, Gefühlen, Körpersignalen, Chakras, Merkmale, Talente, Verhalten oder Werten, sondern um deine Beziehung mit dem feinsten und formlosesten Teil von dir: dein reines Bewusstsein.

Eigentlich ist das reine Bewusstsein kein Teil und kein Objekt in dir. Es ist der unendliche Raum, in dem alles kommt und geht: die Stille in dir. Diese Stille mag anfangs, wie die Erfahrung von Nichts erscheinen und daher als langweilig, unmöglich, unerlaubt oder gar gefährlich abgestempelt werden, ist sie aber nicht. Sie ist voll von Sicherheit. Nichts kann dieser Stille etwas anhaben, nicht einmal der Lärm. Er kommt und geht, hinterlässt die gleiche Stille, die er ursprünglich vorfand. Die Stille besitzt keine Grenze, ist frei. Sie verschwimmt im grenzenlosen Raum, wie wenn du nachts in die Tiefe des weiten Alls schaust oder in die Erfahrung des traumlosen Tiefschlafs hineinahnst.

Wenn du in der Stille nichts Besonderes fühlst, ist das normal und gut, denn so ist die Erfahrung von Raum: eine nicht-Erfahrung. Weil dein Bewusstsein keine Bedingung an dich stellt, kein falsch und richtig kennt und dich nicht wertet, bist du in ihm absolut sicher und frei, so wie du bist. Wahrscheinlich bemerkst du nicht sofort das untrennbare Ja, das aus der Stille spricht. Wenn du das Bedingungslose erkennst, kann dies plötzlich oder allmählich geschehen. Die Erfahrung kann wieder gehen oder ewiglich bleiben. Du wirst sie nicht halten können.

Im Hinduismus wird diese Erfahrung von Stille Samadhi genannt, im Zen Satori und im Buddhismus Nirvana. Im Christlichen heißt sie Nähe zu Gott und in der Achtsamkeitsbewegung pure Achtsamkeit oder Gewahrsein. Außerhalb eines formellen, spirituellen oder religiösen Kontexts, kann man sie in-sich-selbst-ruhen nennen. Es sind unterschiedliche Worte für die selbe Erfahrung.

Um deine Beziehung mit dem Selbst zu stärken und dir der Einheit bewusst zu werden, empfehle ich die Praxis alltäglicher Meditation und Achtsamkeit. Du kannst sie im Sitzen oder im Gehen machen. Am besten gleich morgens, bevor du viel anderes machst oder viel anderes auf dich zuströmt und etwas mit dir macht. Um innere Stille zu erfahren, entspanne den Körper und die Atmung so gut du kannst für einige Minuten. Beginne zu fühlen, ohne zu machen, ohne zu wollen oder etwas erreichen zu müssen.

Dann fokussiere deine Aufmerksamkeit auf etwas, das du gut fühlen kannst: Atemzug, Sohle, Hände, Herz oder anderes. Verweile für die nächsten 10 Minuten im stillen Fokus, ohne Forderung. Wenn du dich in Gedanken verlierst, trifft dich keine Schuld, kein Fehler, keine Perfektion. Komme nachdem das Verlorensein dir aufgefallen ist einfach zurück in den weichen Fokus und die körperliche Entspannung. Immer wieder Mitgefühl, ohne Worte.

Du beginnst dadurch zu pendeln zwischen Fokus, Entspannung. Gedanken, usw. Wenn Weite, Raum, Leere oder Nichts zu fühlen sind, ruhe in der Erfahrung. That's it! Ohne angestrengt nach einer Antwort zu suchen, kannst du dir folgende Frage stellen: Fehlt etwas? Dann sei still.

Die gesamte Übung dauert etwa 15 Minuten. Mache diese Übung so oft, bis du die Erfahrung mit dem Herzen verstehst. verbundenheit. eins.


Gibt es Leben nach dem Tod?

Vor ein paar Tagen habe ich ein Interview gehört. Oprah Winfrey fragte den Achtsamkeitspapst John Kabat-Zinn, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Seine Antwort war erfrischend anders: »Ich weiß es nicht. Aber was mich wirklich interessiert, ist ob es ein Leben vor dem Tod gibt?»

Ich habe schon viele unterschiedliche Antworten auf diese Frage gehört, aber seine gefällt mir besonders gut.

Lebst du schon oder überlebst du nur?
Falk
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