FlowLetter (Juni 2016): Tränen

FlowLetter (Juni 2016): Tränen

Beitragvon Falk » Montag 22. Juni 2015, 08:18

Tränen

Die Frau kauerte auf der Treppenstufe vor dem Haus. Sie war eine Teilnehmerin an einer HumanFlow Coach Ausbildung und offensichtlich war sie von etwas sehr berührt worden. Ich setzte mich neben Martina* und fragte sie, was denn los sei. Sie wendete ihren Kopf jetzt in meine Richtung und entgegnete mit Tränen in den Augen: »Ich habe heute zum ersten Mal verstanden, dass ich einfach ich selbst sein kann.«

Wow!!! Da war's raus. Als erfahrener Coach und Therapeut wusste ich, einfacher und grundlegender geht es kaum.

Ihre Tränen waren keine Tränen der Trauer gewesen, sondern Tränen des erleichterten Berührtseins. Ich war froh. Aus irgendeinem Grunde war das Verständnis, dass sie gut und ganz ist, so wie sie ist an diesen Morgen etwas tiefer, vom Kopf ins Herz, gerutscht. Diese Einsicht in die eigene grundlose Selbstverständlichkeit ist ein Geschenk, das die meisten Menschen nie, manche manchmal und ein paar wenige Glückliche immer erfahren.

Trotz seiner Flüchtigkeit, sind wir alle auf dem Weg in diese Einsicht, egal des gefühlten Verlorenseins, der eigenen Muster, Umstände, Konditionierungen und Gene. In einem jeden brennt ein Licht, das meist übersehen wird. Es ist kein spektakuläres Licht, sondern eher ein leises und ewigliches. Seine Entdeckung jedoch kann spektakulär verlaufen, spektakulär berührend.

Warum ist die erleichternde Einsicht, dass man einfach so sein kann, wie man ist, nicht selbstverständlicher und verbreiteter? Die Antworten darauf sind zum Einen zu finden im Höher-Schneller-Weiter-Extrem, aber vor allem darin, dass wir uns nicht wirklich kennen. Wir leben nicht aus dem Innen. Wir sind nicht wirklich in einer bewussten Verbindung mit uns selbst, mit der Gegenwart, mit dem wie es ist, mit unseren tiefsten Themen und mit dem, was uns trägt.

Anstatt dessen sind wir vor allem verbunden mit dem, was morgen passieren könnte, mit dem, was wir erreichen wollen, mit dem was gestern war, mit Problemlösungen, mit dem was wir besitzen oder besitzen wollen und mit der persönlichen individuellen Geschichte. Die Gewichtung ist einseitig und wird es immer mehr.

Alles hat seinen Platz und seine Wertigkeit im großen Ganzen, sonst wäre es nicht da. Das gilt auch für Lösungen, Ziele, Erklärungen und Wachstum. Sie bieten uns die Erfahrung von mehr Halt, Sinn und Leben, zumindest zeitweise. Die Einsicht jedoch, dass ich einfach so sein kann, wie ich bin, entsteht durch das Gehoffe und Gerenne nicht. Ganz im Gegenteil, denn die subtile Botschaft dabei ist: ich sollte anders sein oder wo anders sein, als ich bin. Selbst das ist ein Weg, wenn auch in seiner Übergewichtung eine Sackgasse.

Sich selbst besser kennenzulernen, ist ein anderer Weg: ein grüner verschwungener Pfad von Bewusstheit und Verbundenheit. Jeder Weg ist einzigartig. Ohne jeglichen Trotz oder Naivität wirklich zu erfahren und zu verstehen, dass ich einfach so sein kann, wie ich bin, mehr und mehr, ein Leben lang, das wäre ein außergewöhnliche und lohnenswerte Reise.

Was hält einen eigentlich ab von diesem einfachen Verständnis? Dein Glauben. Hinterfrage das Gelernte, denn es ist nicht die Wahrheit. Das was du bist ist gut, jenseits von Gut und Böse. Aber erst, wenn du selbst das verstehst, wirkt es seinen Zauber. Immer mehr Menschen treffen sich dort.

_()_namaste, Falk
www.humanflow.de

*Name von der Redaktion geändert - ich wollte das schon immer einmal schreiben :-)


Die Einladung von Oriah Mountain Dreamer

Es interessiert mich nicht, wie du dein Geld verdienst. Ich will wissen, wonach du dich sehnst, und ob du es wagst davon zu träumen, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist. Ich will wissen, ob du es riskierst, dich für die Liebe lächerlich zu machen, für deine Träume, für das Abenteuer, lebendig zu sein.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen. Ich will wissen, ob du den Kern deines Leidens berührt hast, ob du durch die Enttäuschungen des Lebens geöffnet worden bist, oder zusammengezogen und verschlossen, aus Angst vor weiterem Schmerz.

Ich will wissen, ob du im Schmerz stehen kannst, meinem oder deinem eigenen, ohne etwas zu tun, um ihn zu verstecken, ihn zu verkleinern, oder ihn in Ordnung zu bringen.

Ich will wissen, ob du mit Freude sein kannst, meiner oder deiner eigenen, ob du mit Wildheit tanzen und dich von Ekstase füllen lassen kannst bis in die Spitzen deiner Finger und Zehen, ohne uns zu ermahnen, vorsichtiger zu sein, realistischer zu sein, oder an die Beschränkungen des Menschseins zu erinnern.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du mir erzählt hast, wahr ist. Ich will wissen, ob du einen anderen enttäuschen kannst, um dir selber treu zu bleiben. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.

Ich will wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist, und ob du dein Leben aus SEINER Gegenwart entspringen lassen kannst.

Ich will wissen, ob du mit Versagen leben kannst, deinem und meinem, und trotzdem am Ende eines Sees stehen kannst, um zum silbernen Vollmond zu rufen, „Ja„.

Es interessiert mich nicht zu wissen, wo du lebst, und wieviel Geld du hast. Ich will wissen, ob du nach der Nacht der Trauer und Verzweiflung aufstehen kannst, müde und zerschlagen, um dich um die Kinder zu kümmern.

Es interessiert mich nicht zu wissen, wer du bist, und wie es kommt, dass du hier bist. Ich will wissen, ob du in der Mitte des Feuers mit mir stehst, ohne zurückzuweichen.

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem studiert hast. Ich will wissen, was dich von innen trägt, wenn alles andere wegfällt. Ich will wissen, ob du alleine mit dir sein kannst, und ob du deine Gesellschaft in den leeren Momenten wirklich magst.

Oriah Mountain Dreamer
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