Flow Letter (Mai 09) - Besondere Momente

Flow Letter (Mai 09) - Besondere Momente

Beitragvon Falk » Freitag 1. Mai 2009, 19:31

1. Besondere Momente
Ich saß entspannt in Paneras, einem Starbucks-ähnlichen Cafe und löffelte den Schaum aus der großen Tasse Milchkaffee. Während meinem Florida Aufenthalt, kam ich jeden Tag hierher. Carmen, meine Schwiegermutter, bei der wir zu Besuch waren, hatte nämlich keinen Internet Zugang und so bot sich Paneras an, um als mein erweitertes Arbeitszimmer zu dienen. Ganz davon abgesehen, waren Kaffee, Suppen und Salate echt lecker und gegen eine kleine Familienpause hatte ich auch nichts einzuwenden.

An diesem Tag war hier mal wieder einiges los. Es wuselte von Rentnern auf Viagra, jungen Mamas, geschäftigen Geschäftsleuten und lebendigen Latinos. Ich badete gern in all dem Lärm, war es doch innerlich still und weit. Hin und wieder schrieb ich eine e-Mail, oft aber ließ ich einfach die Energie der Umgebung auf mich wirken. Ich spürte mich und biss genüsslich in die „cinnamon role”, die Rosinenschnecke.

Eines Tages betrat ein Ehepaar das Cafe, beide bestellten etwas und setzten sich hin. Der Mann war vielleicht 65 Jahre alt, hatte lange, grau-weiße Haare und einen grauen Bart. Da er eine tarnfarbene Baseball Kappe mit der Aufschrift „USS-266“ trug und auf seinem T-Shirt „Unterstützt die Truppen“ prangte, vermutete ich, dass es sich um einen Kriegs-Veteranen handelte, wahrscheinlich Vietnam. Eigentlich wären die zwei mir gar nicht besonders aufgefallen, aber nachdem sie aufgegessen hatten, aufstanden und wieder Richtung Ausgang gingen, drehte der Mann sich plötzlich in meine Richtung um und ging schnurstracks auf meinen Tisch zu.

Er zog den freien Stuhl unter meinem Tisch hervor und setzte sich, wie selbstverständlich, mir gegenüber hin. Er lehnte seine Arme auf den Tisch, beugte sich vor und musterte mich ruhig und friedlich, ohne in irgendeiner Weise aufdringlich zu wirken. Dann sagte er mit einer tiefen, harmonischen Stimme: „Alles ist Energie!“. Dann grinste er mich an, wartete noch für einen Moment, blinzelte mir zu, stand auf und ging ohne weitere Worte zurück zu seiner Frau und verschwand mit ihr aus dem Cafe.

Ich saß einfach nur da, zutiefst berührt von dieser kurzen Begegnung, vielleicht ein bisschen so, wie vom Blitz getroffen und innerlich hüpfend vor Freude. Ja, alles ist Energie und offensichtlich konnte er sie in aller Klarheit wahrnehmen. Schön, dass er für einen Moment diese leichtfüßige Klarheit mit mir teilte. Es war einfach ein magischer Moment.

Aber bekommen wir nicht alle diese Hinweise von Zeit zu Zeit, diese „magischen“ Momente, die uns zutiefst berühren und daran erinnern, dass das Menschsein mehr als Zahlen, Fakten und Studien bedeutet. Warum fühlen sich die meisten Menschen mit 50 Jahren innerlich genauso jung, wie mit 18, obwohl der Körper offensichtlich älter geworden ist? Was ist es, das nicht gealtert ist? Was ist es, das uns wirklich ausmacht?

Die Antwort darauf nur intellektuell zu ergründen, wäre viel zu schade, viel zu flach. Manche Dinge können glücklicherweise nur erahnt, nicht aber gewusst werden.

Einen schönen Tag, Falk
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2. Menschlichkeit (ein Gedicht)

Dann kam das Leid,
in all der dunklen Hässlichkeit.
Wild, mit roher Gewalt,
komme her
- es darf sein, ich tauche ein -
ganz ohne Halt.

Renn und kämpfe nicht,
es macht kein Sinn,
im Zentrum, ist da Licht?

Erst laut,
dann aber plötzlich still.
Und der Sturm tobt,
wie er will.

Mitten drin bin ich,
schutzlos und geborgen,
eine freie Sicht.

Ganz still und klar
und wunderbar.

Immer.
Falk
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