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Flow Letter (Juni 09) - Kinder und Narren

BeitragVerfasst: Freitag 5. Juni 2009, 17:19
von Falk
1. Kinder und Narren

Die Wurzel chronischer Erschöpfung ist geistige Überaktivität und die Identifikation mit den überdrehten Gedankeninhalten. Aus den Gedankeninhalten wird ein verdrehtes Ich-Gefühl erzeugt. Sind die Gedanken positiv und hoffnungsvoll (manchmal), dann dürfen wir uns für eine kurze Zeit erfreuen. Sind sie aber negativ, eng und zwanghaft, wie es in der Überlastung (meistens) der Fall ist, dann fühlen wir uns schlecht , erschöpft und die Situation scheint ausweglos. Ab einem gewissen Punkt, sind nicht mehr die Umstände das Problem (auch wenn sie manchmal äußerst schwierig sind), sondern die destruktiven, zwanghaften Gedanken über die Umstände. Es scheint, dass umso mehr wir denken und uns sorgen, desto näher kommen wir einer Lösung, die Kontrolle, Sicherheit und Erfüllung mit sich bringt. Dies ist aber nicht der Fall. Wir kommen nie an, so wie bei einer Fata Morgana, die in der Ferne den Eindruck von Wasser erweckt.

Der geistige und emotionale Lärm ist mit unglaublich viel Mühe verbunden, da er auf Widerstand und Kampf basiert. Auf Dauer ist dieser permanente innere Lärm wie Gift für den Organismus. Er lähmt. Körper, Geist und Seele zeigen dann irgendwann erste Erschöpfungserscheinungen, wie Schlafstörungen, Tinnitus, Bluthochdruck, Angstzustände, Panikattacken, etc. und ab einem gewissen Punkt der Eskalation, taumelt der Mensch in eine Leere, so ähnlich wie die Stille des Schlachtfeldes am nächsten Morgen nach der großen Schlacht. Der ganz innere Prozess der Ruhelosigkeit, vom Entstehen zum Verdichten bis zum Endstadium, ist mit einem unsagbaren Aufwand verbunden. Es ist ein ständiger Kampf gegen das Leben, sich selbst und alles um sich herum. Funktionieren, kämpfen, zusammenbrechen, wieder aufstehen, funktionieren, kämpfen, zusammenbrechen...ist zu einer inneren Gewohnheit geworden, in der man nach einiger Zeit vermuten könnte, dass es nicht anders geht und der menschliche Grundzustand einer von Mangel und Kampf sei. Zum Glück ist das aber nicht der Fall.

Die wirkungsvollste Medizin gegen seelische Überlastung ist der Zustand von Mühelosigkeit. Mühelosigkeit ist etwas, das innerlich entdeckt werden kann. Damit meine ich nicht die Füßen hochlegen und nichts mehr tun, obwohl das manchmal auch sehr hilfreich ist und gut tut. Oft aber geht das absolute Laisee-Faire aus praktischen Gründen nicht, die Kinder, der Job, der Partner, der Alltag, die Weltwirschaftskrise, etc. machen da, gerade wenn wir es am meisten brauchen, oft einen Strich durch die Rechnung. Entgegen der gängigen Überzeugung, ist Mühelosigkeit nicht etwas, dass von außen nach innen entsteht, sondern anders herum, von innen nach außen. In Wirklichkeit ist Mühelosigkeit etwas, dass wir im Wesen sind und nicht etwas, dass wir machen. Man muss nichts machen, um zu sein. Man ist einfach nur, ob man sich nun müht oder auch nicht, ob die andern meinen man hat's geschafft oder auch nicht. Mühelosigkeit ist unser Grundzustand. Bei Kindern und Narren ist dies besonders leicht ersichtlich. Die Frage ist, wie kommt man zurück, ohne ein Kind oder Narr werden zu müssen?

Die Praxis der Mühelosigkeit ist nicht wirklich eine Frage des Machens, sondern des Entdeckens. Wenn Sie jetzt beim lesen, zum Beispiel, für einen Moment nach innen spüren, um zu fühlen, ob sie wirklich hier sind, können Sie es wahrnehmen: sie spüren sich. Nichts besonderes. Nichtsdestoweniger merken Sie vielleicht, wenn Sie ein wenig mit sich verweilen, dass Sie einfach hier sein können, ohne sich in irgendeiner Weise dabei mühen zu müssen. Vielleicht spüren Sie in sich eine subtile Lebendigkeit, vielleicht Erschöpfung, vielleicht auch ein paar Körpersignale, vielleicht auch einfach einen lebendigen Raum. Was auch immer Sie spüren, Sie sind hier, ohne sich dafür mühen zu müssen. In diesem Hier-sein liegt eine Leichtigkeit, ohne Grund, Anfang oder Ende. Das was hier ist, ist mühelos, unabhängig von den Umständen in denen wir uns befinden und sogar unabhängig von den Beschwerden des Körpers. Egal der Umstände, es ist unsagbar leicht, sich selbst zu sein. Ich existiere, einfach so.

Wenn ein Mensch in diese Leichtigkeit hineinfühlt, sich mit ihr vertraut macht, sich in sie fallen lässt, dann beginnt die Praxis. Davor ist es nur blanke Theorie oder wirre Spiritualität, ohne das wirklich etwas passiert. Die Praxis ist nicht eine Frage des Wissens, sondern man könnte eher sagen, des Nicht-Wissens. Man beginnt nämlich immer wieder aus den Sorgen, Ängsten, Zukunftsszenarien und Gedankeninhalten heraus nach Innen in die Leichtigkeit zu fühlen. Nach kurzer Zeit stellt man mit Überraschung fest, dass Hier und Jetzt, in dem was ich bin, immer eine Mühelosigkeit existiert und auch existierte. In dieser praktischen Ausrichtung auf sich selbst, beginnt alles das, was nicht Hier und Jetzt ist, an Kraft und Einfluss zu verlieren. Die chronische Erschöpfung beginnt den Boden unter den Füßen zu verlieren. Bei jemand, der sich auf die Praxis einlässt, ist die Frage nicht , ob die Entschleunigung passiert, sondern wie schnell sie passiert. Der innere Kampf kann sich aus sich selbst heraus nicht lange am Leben halten, hat keine eigene Energiequelle, außer etwas Gewohnheitsmomentum. Auf Dauer braucht das destruktive Kopfkino jemanden, der mitmacht, sich mitmüht und die Energie für den Kampf liefert. Dieser jemand steht aber nicht mehr zur Verfügung, er ruht nämlich gerade in sich. Erst beginnt man diese Mühelosigkeit immer klarer in sich zu spüren, dann beginnt man aus ihr zu handeln und schließlich spürt man sie auch im außen, im Umfeld.

Mühelosigkeit hilft nicht nur dem Organismus in kürzester Zeit zu entkrampfen und zu heilen, sondern ist auch die Quelle von intuitiver Intelligenz, von Kreativität, von Lebensfreude und Kraft. Auch Albert Einstein wusste über dieses einfache Prinzip. Um Genialität anzuzapfen und sich aus den Bahnen des damals gewussten Wissen zu bewegen, gab Einstein zu, dass er in den entscheidenden Momenten die Augen schloss, innerlich ruhig wurde und sich "in einen stillen, dunklen Raum begab, in dem Gott lebte." Auch der amerikanische Präsident Barack Obama scheint bei wichtigen Entscheidungen ähnliche Tendenzen zu haben, schickt alle Berater raus, schließt die Augen und ist für eine Minute alleine mit sich still. Was er wohl macht? Wer weiß es schon genau. Vielleicht aber, ist er einfach nur mühelos.

Einen schönen Tag,

Falk

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2. Loslassen - eine Übung

Setzten Sie sich bitte bequem hin und atmen Sie ein paar Mal durch die Nase tief ein und aus. Bis in den Bauch können Sie die Atmung fließen lassen, ohne dabei etwas erzwingen müssen. Ich lade Sie ein, dabei bewusst und doch entspannt und spielerisch zu sein. Spüren Sie jetzt Ihr Gesäß, den Druck vom Sitzen und verweilen Sie etwas mit Ihrer Aufmerksamkeit in dem Körpersignal. Für dieses einfache fühlen, müssen Sie nichts machen und auch nichts wissen. Verdrängen Sie aber auch keine Gedanken. Viel zu viel Aufwand. Im Loslassen sind Gedanken kein Hindernis, sie kommen und gehen. Jetzt spüren Sie einmal nach Innen, so als ob Sie in eine Wohnung einziehen. Lassen Sie sich einfach fallen in die Leichtigkeit des Seins, in die innere Mühelosigkeit, in den Raum und die Weite. Sie können gerne einmal die Augen zumachen, um sich so zu spüren. Sie müssen dabei nichts interpretieren oder analysieren. Hier gibt es kein falsch oder richtig, sondern nur das vorliegende Gefühl, so wie es ist.

Jetzt spüren Sie einmal nach oben, in die Weite, in den Raum, sozusagen. Danach fühlen Sie einmal nach unten, dann hinter sich, vor sich. Spüren Sie einmal um sich herum. Damit meine ich nicht, dass Sie jetzt über den Raum um sich herum nachdenken sollten, sonst verpassen Sie den Raum, der vorhanden ist (auch bitte keine Affirmationen;-). Spüren Sie einfach in das hinein, was wirklich spürbar ist, ungeachtet von dem was Sie wissen und gelernt haben.

Wenn Sie so bei sich sind, was wäre, wenn Sie entdecken würden, dass alles so ist, wie es sein soll? Was wäre, wenn Sie alles akzeptieren würden, wie es jetzt in diesem Moment ist? Was wäre, wenn alles seine Richtigkeit hat und alles aus reiner Intelligenz heraus geführt wird? Spüren Sie, wie sich das anfühlt.

Was wäre, wenn Sie mit dem Kämpfen aufhören? Was wäre, wenn Sie vollkommen entspannen würden? Was wäre, wenn Sie in einem Ozean von Vertrauen ruhen? Fühlen Sie es für einen Moment.

Was wäre, wenn in dem Moment, in dem Sie alles innerlich loslassen, Sie umarmt und getragen werden? Was wäre, wenn Sie der mühelose Raum sind, den Sie spüren? Erlauben Sie sich für ein paar Minuten in sich zu ruhen, etwas Zeit mit sich zu verbringen. Wie reagiert der Körper auf die Übung? Ist es innerlich still oder laut?

Das was Sie gerade machen, nennt man in manchen Traditionen Meditation.

Re: Flow Letter (Juni 09) - Kinder und Narren

BeitragVerfasst: Mittwoch 20. April 2011, 11:06
von JasminT
Das hört sich sehr interessant an. Vielleicht ist es genau das, was ich auch mal ausprobieren sollte. Vielleicht hilft es mir weiter.