Flow Letter (Juli 09) - das Karussell

Flow Letter (Juli 09) - das Karussell

Beitragvon Falk » Freitag 10. Juli 2009, 15:22

1. Das Karussell

Willkommen! Willkommen auf dem Jahrmarkt! Wie ich sehe, bist du schon auf dem Karussell! Toll, wie du fährst! Du hast einen schnittigen Wagen. Du hast ein Gaspedal. Du kannst sogar bremsen. Aber vor allem hast du ein Lenkrad. Damit kannst du prächtig kurbeln, und das tust du auch. Komischerweise geht es immer nur im Kreis. Du lenkst nach links und nach rechts und bremst und tust, aber es geht immer nur in einer Richtung.

So lenkt dein Ich. Das so genannte Ego. Es lenkt nach links, es lenkt nach rechts, und es ist nicht immer ganz zufrieden mit dem Ergebnis.

„Ich sehe mal nach den anderen“, denkt es. “Wie fahren denn die? Wie stellt der da drüben sich an?“ Der legt sich entschieden mehr in die Kurve. Das machst du nun auch. Aber es geht weiter im Kreis. Ab und zu hält das Karussell. Kurze Pause.

Dann suchst du dir ein anderes Fahrzeug. “Vielleicht nehme ich auch mal das Pferd. Jetzt reite ich mal `ne Ecke. Wahrscheinlich ist das meine Bestimmung!“ Sehr klug von dir. Oder richtig weise: Du nimmst den kleinen Roller, weil du nach all den ermüdenden Runden voller Demut und Bescheidenheit bist.

Ja, dein Ich ist bei all der Kurbelei mächtig gereift. Und wenn du mal zufällig in die gleiche Richtung lenkst, wie das Karussell fährt, kannst du endlich triumphieren: „Wow, das habe ich gut gemacht! Ich glaube, jetzt habe ich es raus!“ Nun hast du entdeckt, wie die ganze Sache funktioniert. “Ich habe die Kontrolle, seht mal her!“ Du befindest dich in Harmonie mit dem Kosmos, in Übereinstimmung mit der Schöpfung.

Ein derartig stimmiges Ich lenkt genau so wie das Karussell fährt. „Seht doch mal, wie ich lenken kann! Das ganze Karussell bewegt sich so, weil ich es so lenke!

Hier, ich, hierher sehen!“ Wenn du die Kunst so unvergleichlich gut beherrscht, kannst du sogar den anderen sagen, wie sie fahren müssen. „So müsst ihr`s machen! Wie ich!“ Jetzt bist du ein coachender Fahrer. „Ihm nach“, rufen ein paar andere begeistert. Am besten, du übernimmst gleich den Bus:“ Alle bei mir einsteigen und hinter mich setzten! Ich bin eins mit dem Karussell!“ Dann bist du ein Guru. Wenn du mehr im Stillen wirken willst, kannst du natürlich auch andere wichtige Aufgaben übernehmen, zum Beispiel mit dem Feuerwehrauto fahren. Oder den Krankenwagen. Oder du fährst einfach hinter dem Krankenwagen her, sicherheitshalber. Wichtig bei alledem ist nur, dass du den Überblick behältst. Dass du im richtigen Moment Gas gibst und im richtigen Moment bremst. Und vor allem, dass du mit größtem Geschick lenkst. Das hilft allen. So hältst du dein Fahrzeug perfekt auf dem Weg. Du trägst zur gelungenen Fahrt des gesamten Karussells bei! Wenn nur jeder so fahren würde! Du hast alles im Griff. Bis du einmal versehentlich den Lenker loslässt. Nanu! Jetzt wunderst du dich. Es geht ja auch von allein! Das Ding fährt von selbst! Stimmt. Es fährt selbst. Das Selbst fährt. Du brauchst dich nicht immer anzustrengen. Du kannst dich mehr zurücklehnen und weniger sorgen. Das Ziel ist die Reise!

Einen schönen Tag,

Falk
(danke für den Text, Britta)
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2. Wer bin ich? - ein Gedicht

Wer bin ich?

Gedanken, die kommen und gehen,
das bin ich nicht.

Konzepte, die kommen und gehen,
das bin ich nicht.

Umstände, die kommen und gehen,
das bin ich nicht.

Erfahrungen, die kommen und gehen,
das bin ich nicht.

Gefühle, die kommen und gehen,
das bin ich nicht.

Tätigkeiten, die kommen und gehen,
das bin ich nicht.

Der Körper, der kommt und geht,
das bin ich nicht.

Ich bin das, was ich bin.
Ich bin das, was nicht kommt und geht.
Falk
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