Gott und ich

Gott und ich

Beitragvon Falk » Mittwoch 20. August 2008, 21:05

Meister Eckhart (dt. Theologe, Philosoph, Mystiker 1260-1328) sagte einmal: "In dem Wesen der Seele können wir Gott sehen und erkennen, und je mehr ein Mensch in diesem Leben dem Wesen der Seele mit seiner Erkenntnis nahe kommt, desto näher ist er der Erkenntnis Gottes. In dir selber liegt und wohnt die Wahrheit. Niemand findet sie, der sie in äußeren Dingen sucht. Gott finde ich am sichersten in meinem Innern."

Was meint er damit, dass in mir die Wahrheit liegt und wohnt? Welche Wahrheit soll das sein?

Die Wahrheit, auf die er hinweist, ist das Wissen über das, was wir sind. Jeder Mensch sucht danach, direkt oder indirekt: in der beruflichen Karriere, in der Familie, in der Spiritualität, in den Hobbys oder im Glas Wein. Meister Eckhart spricht von Selbsterkenntnis, von der Suche nach sich selbst und dem einzigen Ort, wo sie gefunden werden kann: in einem selbst. Kein Mensch, Meister, Lehrer, Lehre, Technik oder Tradition kann sie einem geben. Sie kann nur in einem selbst entdeckt werden.

Sie bedarf auch keinerlei Wissens, Theorie, intellektueller Kapazität, Machen oder Tun, obwohl von all dem ihr nichts im Wege steht. Der einfachste Bauer kann sie verstehen und hat somit Zugang zur absoluten Fülle des Lebens. Die Wahrheit macht keinen Unterschied zwischen reich und arm, erfolgreich und erfolglos, intelligent oder dumm. Sie ist vorhanden, als das was ist, als der Hintergrund, der alles trägt. Es ist das Wesen der Seele, die nur erfahren, nicht aber gewusst werden kann. Und selbst die Erfahrung ist mehr eine nicht-Erfahrung, denn wie sollte das Unendliche Endlich werden und das Formlose eine Form annehmen können?

Das Wesen der Seele ist das, was jetzt in diesem Moment, diese Worte sieht und ließt, ohne etwas über sie zu wissen. Der reine Moment, wenn Stille sieht und ließt. Wenn wir die Aufmerksamkeit auf das Wesen der Seele lenken, d.h., bei uns sind, auf diese Stille ausgerichtet sind (Achtsamkeit), dann eröffnet sich das Göttliche, das Einfache in uns, unabhängig von unseren Umständen und Hintergrund. Ein unendliches Feld von reinem Bewusstsein wird angeregt (entschuldige die Worte, sie sind limitiert). Daraus zu leben, ist die Erfüllung eines Menschenlebens, der Anfang eines Strahlens, das alle Ebenen des menschlichen Daseins ergreift. Das Ende des Leidens aus der Erkenntnis heraus, dass ich Freude bin, die (lustigerweise) Freude sucht (nämlich sich selbst).

In diesem Sinne, immer munter bleiben ;) ,
Falk
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