der Grundzustand

der Grundzustand

Beitragvon Falk » Mittwoch 2. Juli 2008, 07:29

Der natürliche Grundzustand eines jeden Menschen ist Wohlgefühl. Er ist jetzt in diesem Moment in Ihnen vorhanden, selbst wenn Sie ihn nicht wahrnehmen sollten. Dieses Wohlgefühl ist unabhängig von jeglichen inneren oder äußeren Umständen und ist vorhanden ohne jeglichen Grund. Dieses Wohlgefühl hat keinen Gegenpohl, ist wegen seiner Formlosigkeit eher eine nicht-Erfahrung und manche beschreiben es als Frieden oder begingungslose Liebe oder unendliche Stille. Durch die angelernte Fixierung der meisten auf das was gestern war und morgen sein wird, wird der Grundzustand "überlagert" von Formen, sprich Gedanken, Gefühlen, Körpersignalen und Umständen. Wir nehmen das grundlegende Wohlgefühl nicht mehr wahr, sondern fast nur noch die Problematik der darüber gelagerten Geschichte, die dann mit der Zeit als der Normal- oder Grundzustand erlebt wird. Dieser Zustand aber ist eine Illusion, ein künstlich erzeugter Grundzustand, der sofort beginnt in sich zusammenzubrechen, wenn er wirklich hinterfragt wird.

Auf den ersten Blick mag es vielleicht unerhört erscheinen, aber Sie haben zwei grundlegend unterschiedliche Möglichkeiten Ihren Alltag zu erleben: in Anwesenheit oder in Abwesenheit. Bei der einen Möglichkeit, ist der Mensch wach, gegenwärtig, entspannt in sich ruhend und bei der anderen angespannt, unentwegt und zwanghaft in Gedanken unterwegs.

Abwesenheit ist geprägt von Unruhe, Vergangenheit und Zukunft, psychologischem Stress, Erschöpfung und einem Grundgefühl von Mangel. Anwesenheit, auf der anderen Seite, ist still, im Hier und Jetzt und ist im Einklang mit sich und dem Umfeld. Ein Gefühl von wacher Lebendigkeit und Flow begleiten es.

Der Grundzustand eines Menschen ist Anwesenheit. Bei Kindern, wenn sie in ihrer Leichtigkeit und Freude im Spiel vertieft sind, kann man dies leicht beobachten. Für die meisten Menschen, aber ist diese spielerische, freundvolle Leichtigkeit, wenn überhaupt, nur ein gelegentlicher Teil des Alltags geworden.

Was ist passiert? Was macht den Unterschied zwischen leiden (manche nennen es funktionieren) und nicht-leiden aus?

Der heutige Mensch ist meistens in Gedanken (bewusst oder unbewusst), in konditionierten Denk- und Gefühlsmustern gefangen und dadurch von ihnen gesteuert. So reduzieren wir uns und unser Leben mit der Zeit auf einen Gedanken, definieren uns vornehmlich durch Wahrscheinlichkeiten und mathematische Linearität. In Wahrheit aber sind wir kein Gedanke. Gedanken sind nur ein Teil von uns, ein Werkzeug, das für gewisse Dinge hilfreich ist und für andere nicht.

Gedanklich scheint für viele Menschen das Leben in der Zukunft zu existieren (für manche auch in der Vergangenheit), was aber in Wirklichkeit natürlich nicht stimmt, da wir trotz aller Bemühungen niemals in die Zukunft gelangen können. Pausen von dieser geistigen Über-Aktivität erfahren wir dann, wenn überhaupt noch möglich, im Tiefschlaf (deshalb so gesund und erholsam), wenn wir Aktivitäten nachgehen, die uns Freude bringen, wie z.B., unseren Hobbies, unserer Muse (deswegen so ausgleichend) und für manche, wenn sie meditieren, Yoga machen, etc. (deshalb so entspannend).

Abwesenheit, in Gedanken „zu leben“, heißt nicht automatisch, dass der Mensch einen Burnout oder eine persönliche Krise erleiden muss. Aber die Kombination von zunehmender Geschwindigkeit und Komplexität im Umfeld, gepaart mit Abwesenheit verursacht bei den meisten Menschen auf Dauer einen erhöhten Grad an Erschöpfung. Dies ist kein Wunder, da die körpereigene Energie in einem ständigen psychologischen Kampf oder Flucht Mechanismus gefangen ist. Irgendwann ist das Energiefass leer. Das tückische an diesem schleichenden Prozess ist, dass der oder die Betroffene ihn meist gar nicht erkennt, sondern erst darauf aufmerksam wird, wenn es nicht mehr geht, bzw. wenn das schwächste Glied bereits gebrochen ist (chronische Krankheit, Herz-Kreislaufprobleme, Hörsturz, Sehschwäche, Insomnia, etc.)

Ein bewusster Mensch dagegen kann nicht ausbrennen, beziehungsweise erholt sich vom Ausgebrannt sein in kurzer Zeit. Der Grund dafür ist, dass die Ursache für den Erschöpfungsmechanismus, der psychologischer Kampf, abnimmt. Im Zustand der Anwesenheit ruht der Mensch in sich, tankt auf. Ängste, Depression und Druck erhalten weniger Nährstoff, werden überflüssig und lösen sich in einem natürlichen Prozess letztendlich auf.

Der Zugang zur Anwesenheit ist für jeden Menschen möglich, da es der Grundzustand ist. Unabhängig von individuellen Begleitumstände, kann er belebt werden, auch wenn sich das Bewusst-werden von Mensch zu Mensch unterschiedlich entwickeln und anfühlen kann.

Möglichkeiten im Alltag bewusster zu sein, gibt es unzählige. Eigentlich ist das ganz Leben eine ständige Einladung dazu. Die einzige Voraussetzung für Anwesenheit ist Bereitschaft. Der Rest ist ein bisschen praktisches Know-how im Anhalten (ein paar Übungen finden Sie unter http://www.humanflow.de/uebungen.html).

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, Falk :ugeek:
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Re: der Grundzustand

Beitragvon Valentin » Mittwoch 3. September 2008, 20:58

Das eigentlich interessante an unserem "Grundzustand" ist ja eigentlich, das er von Natur aus non-dual ist und auch frei. Ich denke das Problem sind nicht die konditionierten Denk- und Verhaltensweisen sondern lediglich die Anhaftung und Identifikation mit ihnen.
Eigentlich sind wir reine Präsenz, nur indem wir uns mit etwas identifizieren was wir nicht sind versklaven wir uns selbst, so ungefähr sagst du ja auch das Selbe. :)
Ich würde noch hinzufügen das wir uns eine Menge Leiden auferlegen indem wir uns ständig von der Welt künstlich trennen und in Kategorien wie gut und böse einteilen, dabei entsteht Trennung doch nur durch Sprache, die zwar ein hervorragendes Werkzeug ist, aber immer nur relatives Wissen übermitteln kann.
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Re: der Grundzustand

Beitragvon Falk » Sonntag 7. September 2008, 14:50

Das stimmt. In Wahrheit ruhend, existiert nicht die zwanghafte Bindung an die mentale Information (die persönliche Geschichte) über sich und die anderen. Die persönliche Geschichte verliert an Kraft, und als Ergebnis, lösen sich Leiden und Mangel auf. Es ist nur ein leichter "Shift" von Aufmerksamkeit aus der Unwahrheit, dem was nicht hier ist, zu dem was hier ist, der Wahrheit. Wer ist hier? (jetzt in diesem Moment). Dabei muss man nicht einmal darüber nachdenken oder bewerten wer hier ist (obwohl auch das der Wahrheit nicht im Wege steht), sondern einfach nur in sich schauen, bewusst anwesend sein. Durch die Wahrheit passiert etwas, aber das muss jeder, der Interesse hat, für sich selber herausfinden.

Einen lieben Gruß,
Falk
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