Trotz Yoga in der Krise

Trotz Yoga in der Krise

Beitragvon Falk » Mittwoch 21. Januar 2009, 12:36

Frage (per e-Mail): ...Ich praktiziere seit vielen Jahren Yoga und Meditation, fühle aber, dass außerhalb der Übung, sprich im Alltag, ich geistig und emotional in der Krise stecke...

Antwort: Diese Erfahrung teilen Sie mit sehr vielen Yoga-praktizierenden und Meditierenden weltweit, vor allem mit denen, die schon viele Jahre üben und "mit beiden Beinen fest im Leben" stehen. Auch mir erging es so, sogar nach über 20 Jahren Meditation und Yoga. An den spirituellen Übungen und Erfahrung ist an sich natürlich nichts auszusetzen. Ganz im Gegenteil. Sie sind wunderbare und kraftvolle Werkzeuge, vor allem für Menschen, die eine Affinität zum Spirituellen haben. Aber um im bewegten Alltag bewusst zu sein und inneren Frieden zu erfahren, reicht es auf Dauer nicht aus abseits vom Alltag Übungen zu machen, in der Hoffnung irgendwann einmal vom Blitzschlag der Erleuchtung erlöst zu werden. Jeder kann in einer Himalaya Höhle Frieden finden, aber der bewegte und unsichere Alltag und unsere Krisen sind der eigentliche Test, ob die Spiritualität praktisch gelebt oder theoretisch geübt wird.

Als langjährige Yoga-Praktikantin verkörpern Sie sicherlich eine wichtige Voraussetzung für Veränderung: Zugang zur inneren Stille. Nichtsdestoweniger, die Intensität von Erschöpfung, die Sie beschreiben, kann nur dann entstehen, wenn man sich in all dem machen und tun „verloren“ und sich selbst tragischerweise mit der Geschichte des machen und tuns ersetzt hat. In Indien wird dies auch Identifikation mit dem Ego genannt. Bei jemandem, der wie Sie, von Natur aus viel Feuer in sich trägt und geistig beweglich ist, kann das in der momentan bewegten Zeit sicherlich leichter passieren. Das heißt aber auch, dass Sie das Prinzip des Yoga nicht im Alltag anwenden. Warum sind Sie nicht auch im Alltag und in der Krise innerlich ausgerichtet und dadurch ruhiger, so wie in Ihrer Yoga Praxis?

Die Medizin, die ich empfehlen kann, ist sich wieder kennen zu lernen, aber jenseits der Konzepte, Ideen, Ziele und spiritueller Übungen. Fragen Sie sich, wer macht den Yoga. Wer ist die Yoga-Praktizierende? Meditieren Sie einmal darüber, aber nicht intellektuell, sondern prüfen Sie es praktisch in sich nach. Umso klarer und deutlicher Sie das, was sie sind erfahren und beginnen daraus zu leben, desto weniger wird der Alltag Sie bedrohen. Dabei kommen Sie schrittweise wieder zurück zu sich und ent-wickeln Lebenskraft. So beginnen Sie den Yoga und die Spiritualität aktiv zu leben. Sie merken die Wirkung dieser Ausrichtung, indem Sie allmählich (oder auch schnell) anfangen zu blühen in- und außerhalb Ihrer spirtuellen Übungen.

Mit einem freundlichen Gruß und dem Wunsch für authentische Kraft,
Falk Mieschendahl
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