den Honig von Messers Schneide lecken...

den Honig von Messers Schneide lecken...

Beitragvon Falk » Mittwoch 21. Januar 2009, 13:44

Frage (e-Mail): ...gestern war ich für ein treffen in hamburg. morgens hin, abends zurück. das geht eigentlich ganz gut.

aber gestern hat sich der zug auf der rückfahrt um 2 stunden verspätet, weil er einfach auf einem gleis stehengeblieben ist.

das passte mir natürlich nicht und in alter tradition bin ich pampig geworden, habe geflucht und rasch den bekannten modus „ich bin sauer und ärgerlich - scheiss bahn blabla“ gewählt.

aber das fühlte sich nicht mehr so an wie früher. als ich zuhause war musste ich lachen, es war wirklich sehr witzig, denn eigentlich hat mir das alles überhaupt nichts ausgemacht. ich hätte auch im zug schon laut lachen können, wenn ich mich getraut hätte. etwas war vollkommen unberührt. in mir drinnen fand ich das wirklich zutiefst heiter und nur die konditionierung hat mich davon abgehalten direkt so zu reagieren. das ist neu! eigentlich habe ich auch ein bisschen angst vor dem spontanen ausdruck von offenheit, aber das wird vergehen. das ist eine kleine geschichte, an der ich aber über mich etwas erkennen kann...

...überhaupt haben mich die hinweise und forschungen in den letzten wochen sehr beschäftigt, mich glücklich gemacht. ich fühle mich als ob ich „ den honig von des messer`s schneide lecke“. das ist ein ausschnitt aus einem iranischen? gedicht oder so, das habe ich eigentlich nie begriffen und heute erscheint es mir vollkommen eindeutig...

Antwort: ...genau so ist es „den Honig von messer’s schneide lecken“. Was für ein schöner Ausdruck.

Ja, so merkst du die Vertiefung, meist erst im Nachhinein, weil du in Situationen, in denen du sonst über die Gewohnheit ganz gefangen warst, dich plötzlich nicht mehr so bierernst nehmen musst. So wächst ein Grad von Freiheit und Offenheit. Umso klarer du dich kennst, desto weniger kannst du deine Geschichte und die begleitende Konditionierung für wirklich nehmen. Das spürst du ganz praktisch, auch wenn die alte Konditionierung noch arbeitet und du seine Wirkung weiterhin wahrnimmst. Aber du bist nicht mehr so sehr darin gefangen. Du fühlst, dass du im Grunde frei bist.

Jetzt verstehst du auch den tibetanischen Ausdruck: die Kunst des Lebens ist zu sterben, bevor man stirbst.

Bis bald,
Falk
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