Seite 1 von 1

Loslassen...wie mache ich das?

BeitragVerfasst: Samstag 14. März 2009, 19:48
von Falk
Frage: Vor 6 Wochen liess ich meine grosse schwarze Norikerstute notoperieren...seitdem waren täglich Gesundungsspaziergänge angesagt und sie sah schon wieder prächtig aus. Samstag vor 2 Wochen der Weckanruf, es ginge ihr schlecht..und meine Intuition bestätigte sich, dass es ein Abschied werden würde. Seit 2 Wochen ist mein 2. Pferd ebenfalls krank, alle Hausmittel und ärztliche Medikamente haben nicht angeschlagen, sie ist seit heute in der Klinik. Nach dem Samstag hat mich eine Nierenentzündung weggepackt, kein Wunder. Ich konnte nichts tun, nicht mal mehr denken. Wie kann ich in solch einer Situation wieder loslassen?

Antwort: Wenn es schlimm genug kommt, bleibt irgendwann nichts mehr anderes übrig als loszulassen. In diesem Moment beginnt die eigentliche Heilung.

Klar ist das sehr traurig mit den Pferden. Aber manchmal ist Trauer dran, denn alles was kommt, geht auch irgendwann. Man kann ihr trotzdem Raum geben, ohne sich dabei gedanklich in die Trauergeschichten hineinsteigern zu müssen. Trauer gehört ebenfalls zur Menschlichkeit. Annehmen, was ist, ja sogar willkommen heißen was ist, bedeutet auf Wahrheit ausgerichtet zu sein. Die Wahl, die man hat ist folgende: im falsch und richtig zu leben oder im Frieden zu sein. Beides zusammen geht nicht. Eine Liebhaberin der Wahrheit zu sein, so wie sie ist, jetzt in diesem Moment, verleiht einem Menschen Flügel und Kraft. Es ist wie von Liebe getragen zu sein…

Für dieses Loslassen gibt es in der hiesigen Tradition ein Paradebeispiel: Jesus. Denn das ist genau das, was er am Kreuz gemacht hat - Loslassen. In seiner Menschlichkeit zweifelte er anfangs. Gekreuzigt zu werden, war nicht Teil des Plans: „Vater, warum hast du mich verlassen?“. Dann aber ließ er sich auf die Situation ein, sagte „Es ist vollbracht!“ und „In deine Hände lege ich meinen Geist“. Das ist Hingabe an das was ist. Darin liegt nichts Leidendes, sondern etwas Kraftvolles. Das ist der eigentliche Hinweis, das Besondere. Klar ist aber auch, dass wenn er die Wahl gehabt hätte, er vom Kreuz gestiegen wäre. Aber das ging nicht, die Situation war so wie sie war. Eigentlich müssten sie eines Tages die ganzen leidenden Jesusfiguren herunternehmen und ihnen ein friedliches Lächeln ins Gesicht zaubern, vielleicht so wie bei Buddha. Die Leidensgeschichte ist eine Fehlinterpretation.

Sich nicht einzulassen auf das was ist, das ist der eigentliche Kampf, den die meisten kämpfen, die Hauptursache für den Stress und das Leiden im Alltag. Dieser Kampf aber kann nicht gewonnen werden. Man verliert ihn jedes Mal. Bei 500 Kämpfen am Tag, 500 Mal. Das schlaucht ungemein.

Und ja, ich habe auch mehrere Menschen kennen lernen dürfen, die in der größten Not, die größte Liebe entdecken durften. Das ist die Chance und Gnade zugleich.

Viel Glück auf deinem Weg,
Falk

P.s. Byron Katie hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Lieben was ist“. Ich könnte mir vorstellen, es gefällt dir.