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Burnout, Angst, Depression - meine Verantwortung!

BeitragVerfasst: Montag 22. März 2010, 13:48
von Falk
Wenn ich am Anfang der Flow Therapie einen Menschen nach den Gründen für seine Depression, seine Angstzustände und seinen Burnout befrage, höre ich meist Aussagen über die schwierigen individuellen Umstände, die erlittenen Traumata und/oder die destruktiven eigenen Gewohnheiten. Was wäre aber, wenn dieser Zusammenhang der Person nur so erscheint, aber die eigentliche Ursache für die psychosomatische Störung ausschließlich die eigene, über Zeit antrainierte Gedankenaktivität ist? Das Ursache-Wirkungsprinzip wäre dann wie folgt: umso intensiver die Gedankenbindung und problematischer die Gedankeninhalte, desto höher ist das Risiko für einen Burnout (das Gegenteil trifft auch zu). Das wiederrum würde bedeuten, dass die Person, die unter der Erkrankung leidet, Schmied des eigenen Unglückes war und ist, ohne mit den Fingern auf jemanden anderen oder etwas anderes zeigen zu können. Kein böser Chef, böser Ehemann/-frau, böse Kinder, böse Arbeit, böse Armut, böse Mutter/Vater, böse Insolvenz, böse Geschäftspartner, usw. Die Person steht in absoluter Selbstverantwortung für die Erkrankung (auch wenn schwierige Umstände und/oder alte Prägung den Stein ursprünglich ins Rollen gebracht haben).

Aber es geht noch einen Schritt weiter. Was wäre wenn jeder Betroffene die Möglichkeit hätte, im Alltag seine Denkgewohnheiten und seine Beziehung zu Gedanken so umzutrainieren, dass sich in relativ kurzer Zeit wieder ein wohltuendes Gleichgewicht entwickeln würde, egal der Umstände und Traumata? Dann wäre der Einzelne/die Einzelne nicht nur komplett verantwortlich für seine Erkrankung, sondern auch für seine Heilung. Die Person hätte beide Zustände in der Hand. Ist Opfer und Täter und Heiler in einer Person.

Stimmt die These, dass ausschließlich man selber für sich, sein Leiden und seine Heilung verantwortlich ist? Für mich stimmt diese These mit absoluter Sicherheit, aber auch nur deshalb, da ich ihre Wertigkeit selber nachgeprüft habe. Diese kompromisslose eigene Prüfung ist meiner Meinung nach eine wesentliche Voraussetzung für nachhaltige Veränderung und persönliche Balance. Die Praxis zeigt, Veränderung ist nie einfach, selbst wenn sie zwingend notwendig ist. Daher ist meine Einladung und Herausforderung an Sie, prüfen Sie ebenfalls für sich, wie negative, bedrohliche und destruktive Gefühle, Schwingungen und Tendenzen entstehen. Was muss dafür passieren? Was führt zu was? Es geht hier um eine Beobachtung des Inneren, um eine genaue, wertfreie Beobachtung innerer Abläufe und Gewohnheiten. Im Folgenden beschreibe ich einen Weg, wie Sie dieser fundamentalen und möglicherweise befreienden Einsicht in die eigene Leidensentstehung selbstständig auf den Grund gehen können.

Wenn Sie sich also das nächste Mal richtig schlecht fühlen, gehen Sie auf einen Spaziergang, irgendwohin, wo wenig Menschen sind und Sie von allen Seiten von Natur umgeben sind. Gehen Sie für ungefähr 30 bis 60 Minuten, gehen, ohne Ablenkung (iPod). Beim Gehen achten Sie einmal auf den "Schmerz", auf die Schwere, auf die Unsicherheit und die Ängste in sich. Wie entstehen sie? Die negativen, destruktiven Stimmungslagen und Gefühle, entstehen sie von alleine, einfach so oder müssen Sie davor erst an etwas Negatives, Schwieriges, Destruktives, Ärgerliches oder Problematische denken? Achten Sie auf die Gespräche im Kopf und auf die inneren Bilder, jedes Details, aber ohne sie zu bewerten, zu korrigieren oder zu analysieren. Gehen und beobachten Sie einmal Ihr Inneres, nur für 10 Minuten, so gut es geht. Spüren Sie die körperliche Schwere, Druck und/oder Schmerz im Brust-Bauchbereich? Spüren Sie eine verzweifelte gedankliche Suche nach Lösungen und Auswegen? Sind die Gedanken neu oder nur die Wiederholung alter Programme? Nehmen Sie, während Sie in diesen Gedankenschlaufen sind, die Schönheit der Umgebung wahr? Wie erscheint Ihr Leben durch die Brille dieses immensen "Schmerzkörpers"? Merken Sie wie jede negative Stimmungslage, jeder Druck und Schmerz in Ihnen von Ihren sich im Kreis drehenden Gedanken erzeugt wird? Könnten solche Gefühle, Spannungen und Kämpfe überhaupt ohne Ihre Gedanken entstehen? Sind es die direkten Umstände (die gefährlichen Wälder, bedrohlichen Wiesen, fiesen Blumen, gemeinen Flüsse, usw.) oder die Gedanken über morgen und gestern, die das Gefühl von Gefahr erzeugen? Wenn Sie bereit sind genau hinzuschauen, fällt Ihnen vielleicht auf, dass es die Gedanken sind, die die Gefahr erzeugen, denn im Hier und Jetzt lässt sich keine reale Gefahr finden (wo sind die wilden Löwen, die Ihnen an die Gurgel wollen?). Jetzt also ist die Katze aus dem Sack. Die Bedrohungen, die faulen Gefühle, entstehen immer nur aus Gedanken, Möglichkeiten und Konzepten. Schauen Sie selber nach, denn nur zu glauben oder zu vermuten bringt hier nichts. Die Selbstverantwortung muss in aller Klarheit erkannt und angenommen werden.

Dies ist der erste Teil des Spaziergangs. Auch wenn es schmerzt, genießen Sie es, denn wenn Sie sehen, wovon ich spreche, können Sie etwas Verblüffendem, etwas viel Größerem, auf der Spur kommen. Jetzt zum zweiten Teil des Spaziergangs. Wer bzw., wie wären Sie ohne Ihre Gedanken? Diese Frage ist übrigens absolut praktisch gemeint, keineswegs philosophisch-theoretisch, d.h., Sie müssen es ausprobieren, um es zu erfahren und um zu wissen, wovon ich hier spreche. Nur darüber nachdenken, funktioniert nämlich nicht.

Lenken Sie dafür Ihre Aufmerksamkeit auf die Natur um sich herum, ihre ganz Aufmerksamkeit bitte. Schauen Sie einmal vor sich auf den Boden hin und achten Sie auf die Details um sich herum. Ruhen Sie etwas in diesen Details, dem Gras, den Blättern, den Ameisen oder was auch sonst immer Sie so vor sich sehen. Für ein paar Sekunden oder wenn möglich, gerne auch ein paar Minuten, einfach nur entspannt schauen. Nein, analysieren, benennen und gut oder richtig machen, müssen Sie hierbei nichts. Sie müssen auch nichts von dem was gegenwärtig stattfindet verdrängen oder wegschieben, weder irgendwelche Gedanken, noch Gefühle, noch Stimmungen, die Sie erfahren. Alles ist willkommen, selbst Kampf und Krieg, wenn innerlich gerade einer stattfinden sollte. Spüren Sie einfach dorthin, wo in Ihnen etwas passiert, ohne Widerstand darf alles passieren, auch wenn es in dem Moment schmerzlich ist. Richten Sie die Aufmerksamkeit auf sich selbst. Nehmen Sie Ihre Atmung wahr, für ein paar Minuten am Stück. Dann Ihr Lebendigkeit, spüren Sie den inneren Raum, ganz entspannt, so lange und so gut es eben mühelos geht. Immer wieder, so tief es geht. Keine Spaltung, keine Trennung, keine Zeit - einfach nur im Zwischenraum sein.

Während Sie das machen, kann es sein, dass Sie sich immer wieder in den alten negativen Gedankenmustern verlieren. Das ist vollkommen ok. Jedes Mal können Sie somit aufs Neue beobachten, was die Gedanken innerlich in Ihnen anrichten. In dem Moment, wenn es Ihnen auffällt, dass Sie sich in den Gedanken aufhalten, sind Sie bereits nicht mehr in Gedanken verloren, sind nicht mehr unbewusst. Was passiert, wenn Sie dies eine Zeit lang beim Gehen praktizieren, vielleicht 15 Minuten Gehen, ohne dass das Grübeln oder Sorgen im Mittelpunkt stehen? Sie und Ihr Ich-Gefühl stehen anstattdessen im Mittelpunkt. Was passiert mit den negativen Gefühlen, mit den Ängsten, mit den Schmerzen, mit der Schwere? Was kommt im Hier und Jetzt früher oder später zum Vorschein? Ist das, was Sie beginnen zu spüren ein Anflug von Wohlgefühl? Gehen Sie für wenigstens fünf aufeinander folgende Tage (gerne auch länger) auf solch einen 60 Minuten Beobachtungs-Spaziergang, bis Sie die Muster immer klarer erkennen. Beobachten Sie was das Erfahren und Verstehen mit Ihnen macht. Werden Sie zum Experten über sich selbst.

Dieser Text und die darin beschriebene Selbsterforschung sind eine persönliche Einladung an Sie zu entdecken, dass Sie für Ihre Störung und Heilung selber verantwortlich sind. Und wenn Ihr Leben und Ihr Wohlgefühl wieder in Ihrer Hand liegen (was sie sowieso tun), was machen Sie dann mit dieser Verantwortung? Ich würde vorschlagen, Sie nutzen Sie. Und am besten beginnen Sie damit jetzt.