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Bericht eines Flow Kur Ehemaligen...

BeitragVerfasst: Samstag 13. Februar 2010, 17:42
von Falk
Dies ist der Bericht eines Ehemaligen, der vor etwa einem Jahr die Flow Kur gemacht hat, um einen Burnout zu behandeln. In der Zwischenzeit ist einiges passiert, tiefe Einsichten, aber auch einen Schlaganfall. Ich denke, der folgende Text gibt einen guten Eindruck, wie sich der der Weg der Gegenwärtigkeit mehr und mehr in den Alltag integrieren kann. Hier ist was die Person, vor ein paar Tagen an uns schrieb:

...Gestern kam ich zurück vom Forellenhof (Name geändert), wo ich einen viertägigen Kurs "Einführung in Kontemplation" besucht habe.

Ich bin voll von neuen Eindrücken (und auch ziemlich geschafft). Eine beeindruckende Zeit, auch, weil diese Tage in völligem Schweigen stattgefunden haben, was sehr dabei hilft, innerlich zum Wesentlichen zu kommen. Allerdings habe ich den Kern des Ganzen, das täglich mehrstündige Sitzen im Zendo, als extrem anstrengend empfunden. Ich habe versucht, diesen Weg zu gehen, um innerlich leer zu werden und offen für die göttliche Kraft, aber meine schmerzenden Knochen waren mir dabei sehr im Weg -). Am Ende des zweiten Tages reifte in mir der Gedanke: Ziemlich sicher läßt Gott sich auch finden, wenn man mit schmerzenden Knien auf eine weiße Wand starrt, aber der Weg, den Du mir gezeigt hast, ist kürzer, und es gibt wesentlich mehr dabei zu lachen!

Nach dem Ende des Kurses habe ich mit mehreren Leuten gesprochen, die seit Jahren als Schüler eines der dortigen Lehrer angemeldet sind, die aber das Gefühl haben, in Jahren nur ein kleines Stück voran gekommen zu sein und noch einen langen Weg zur Erleuchtung vor sich zu haben. So viele ernsthaft bemühte, aber bekümmerte Gesichter...

Nach meiner Rückkehr habe ich einen langen, befreienden Spaziergang über den Berg bei unserem Dorf gemacht und mich daran gefreut, wie einfach alles sein kann: Gehen, atmen, schweigen, bei mir und bei Gott ankommen. Einmal blieb ich stehen, um die Aussicht zu genießen und das Glück in mir zu spüren, da kam ein Falke so nahe an mich heren, wie ich es noch nie erlebt habe. Rüttelte wenige Meter neben mir und schaute mir mit einem ganz ruhigen Blick, so kam es mir vor, direkt ins Auge. Wir grüßten einander und nickten uns zu, bevor er abdrehte. Ich hätte beinahe laut herausgelacht vor Freude über diese Begegnung.

Das sind unschätzbar wertvolle Momente. Ein ganz anderer aus der letzten Zeit: Vergangenen Monat war ich zu einer kleinen Nachoperation am Herzen im Krankenhaus, zu der ich drei Tage aufgenommen werden sollte. Eine halbe Stunde nachdem ich morgens im Warteraum Platz genommen hatte, bekam ich die Nachricht, dass die technische Ausrüstung kaputt gegangen war, man müsse einen Techniker rufen, das könne dauern. Man schlug mir vor, nach Hause zu gehen und einen neuen Termin für zwei Tage später zu machen.

Ich entschied mich, dort zu warten, bis der Techniker gekommen sein würde und sagen konnte, wie lange es dauern würde. Das bedeutete allerdings mehr als drei Stunden Warten: Eine der schönsten Meditationszeiten, an die ich mich überhaupt erinnern kann. Ich saß dort im Flur, hatte nichts zu tun, musste nichts denken, nichts erreichen, "nur" warten - einfach sein. Was für ein Geschenk! Ich habe die Zeit dort im Flur ungeheuer genossen und war so ruhig und glücklich, kaum zu beschreiben.

Gegen zwei Uhr war der Schaden dann behoben, ich kam dran und alles ging seinen guten Gang. Nach dem Eingriff holte mich eine Krankenschwester dort ab (ich mußte liegen). Während sie mich in meinem Bett dort durch die Gänge schob, fragte sie mich: Wie machen Sie das nur, dass Sie so gelassen bleiben bei diesem Theater? Ich kenne eigentlich nur solche Herzpatienten, die sich in so einem Fall schrecklich aufregen würden. Ich habe ihr versucht, mit kurzen Worten den inneren Weg zu skizzieren, den ich im vergangenen Jahr gegangen bin. Sie wollte mit leuchtenden Augen immer mehr hören, mußte natürlich dann aber weiter. Dann habe ich meine Frau angerufen, damit sie bei ihrem nächsten Besuch "Eine neue Erde" von Tolle mitbringt, das habe ich der Krankenschwester geschenkt. Was für eine schöne Begegnung!

Heute jährt sich der Tag, an dem ich zum Probe-Coaching zu Dir gekommen bin. Heute bin ich auch den ersten Tag wieder im Büro, und ich schaue dankbar und zufrieden auf das vergangene Jahr zurück. Ich glaube, ich bin lange genug weg gewesen, um wieder zurück kommen zu können und meinen beruflichen Weg anders, vor allem mit einer anderen inneren Einstellung, weiter gehen zu können. Ich bin froh über alles was war, und ich freue mich auf das, was kommt, was auch immer es sein mag. Ich bin offen - und ich muss mich nicht mehr anstrengen...