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Freiheit von Angst

BeitragVerfasst: Mittwoch 20. August 2008, 21:57
von Falk
Sehr viele Menschen verspüren tiefe innere Ängste. Warum nur?

Jede Angst lässt sich zurückführen auf die Urangst, die Angst vor dem Tode, vor der Erlöschung der Existenz, auch wenn das im ersten Moment einem selbst gar nicht so erscheinen mag. Es erscheint vielmehr so, als ob unsere Ängste durch Unsicherheit im Beruf, in der Beziehung, durch Krankheit und einer Unzahl von anderen Faktoren entstehen. An der Oberfläche stimmt dies auch, aber wenn man die Oberfläche hinterfragt (warum habe ich vor etwas Angst?), erkennt man schnell, dass es im Grunde ums Überleben geht. Die Wahrheit ist, in den meisten Menschen findet ein ständiger Überlebenskampf statt, nicht wirklich, sondern "nur" psychologisch, aber für den Körper und die Emotionen macht dies keinen Unterschied. Sie reagieren auf den geistigen Kampf gegen einen Löwen genauso, als ob ein wirklicher Löwe uns verfolgen würde.

Die persönliche Geschichte ist ständig bedroht, steht immer auf wackeligen Beinen, weil sie nur aus Eventualitäten und Möglichkeiten besteht. Die Geschichte von uns, meine Zukunft und meine Vergangenheit, müssen mühsam (für mache mehr, für andere weniger) aufrechterhalten werden, "lebt" nur in Form von vergänglichen Gedanken, Träumen, Wünschen, Enttäuschungen, Hoffnungen, Zielen, etc. Die meisten Menschen kämpfen gedanklich von morgens bis abends um ihr Überleben, ein Kampf gegen Windmühlen, denn die linearen Geschichte unserer Zukunft, die unser Wohlgefühl bestimmt, ist lediglich eine Version unter unendlich vielen Möglichkeiten. Ist es ein Wunder, dass in diesem permanenten Zustand des psychologischen Kämpfens und Flüchtens, viele Menschen irgendwann erschöpft zusammenbrechen?

Unsere psychologische Identität ist gebunden an Inhalte, wie, z.B., an den Beruf, an die Beziehung, an die Familie, an die finanzielle Sicherheit, an das Haus, ja, sogar an spirituelle Erfahrungen und Entwicklung kann sie gebunden sein. Umso mehr der Mensch in dieser virtuellen Gedankenwelt zuhause ist, mit ihr identifiziert ist, desto mehr Angst verspüren wir. Wenn die Geschichte zeitweise nach einem Happy End aussieht, geht es uns temporär wieder besser, aber wenn nicht, dann spüren wir es, das Tal der Angst, dass uns die Kehle zuschnürt und unser Leben klein und eng anfühlen lässt.

Die Angst oder vielmehr das Leiden unter dem Gewicht der Angst, lebt von der Kraft der Gedanken. Umso unbewusster, geistig lethargisch, wir sind, desto mehr hat uns die Angst. Wenn wir aber beginnen zu hinterfragen und das Licht der Bewusstheit anknipsen, dann beginnt die Angst nicht mehr uns zu haben, sondern wir die Angst zu haben. Abstand entsteht und Angst nimmt unweigerlich ab. Wir beginnen sie wahrzunehmen, als einen Ausdruck unserer Menschlichkeit, etwas das kommt und geht, ohne etwas Bedrohliches darzustellen. Früher habe ich einmal auf einem Auto den folgenden Spruche gelesen: "Stelle dir vor es ist Krieg, aber niemand geht hin." So ähnlich kann es mit der Angst auch passieren. Stellen Sie sich vor Sie haben Angst, aber fürchten sich nicht. Ja, müssen nicht einmal etwas dagegen unternehmen, weil die Angst nicht persönlich genommen werden muss. Die Angst macht nur ihren Job. Der Mensch erfährt dann zunehmend Freiheit von Angst, eine Freiheit, die jede Angst sanft in das Herz integriert.

Einen angstfreien Tag, ach, warum nicht angstfreies Leben, wünsche ich,
Falk