Das ist mir der Berg - ein Gedicht

Das ist mir der Berg - ein Gedicht

Beitragvon Falk » Samstag 13. Februar 2010, 17:34

Das ist mir der Berg

Ich mag den Berg - als Bild für Gott.
Er ruht in Stille.
Jedem Wanderer gibt er sich hin
und dem Unbill des Wetters.
Alles nimmt er an.
Für jeden ist er da.
Was dem Tao das Wasser
und Jesus die Sonne:
Das ist mir der Berg.

Mein Fuß berührt den Seinen
Und Sein Haupt reicht in den Himmel.
Der Berg ist Herausforderung,
der Berg ist Ziel.

In fester Haltung meditierend
sitzt er da und erfüllt mich mit Demut.

Von allen Seiten her
lässt er sich besteigen:
leichte Routen, schwere Routen,
die am Ende ganz nach oben führen,
wo die sich treffen,
die den Weg des Alleinseins vollenden.

Je weiter du gehst,
umso einsamer wirst du.
Je weiter du gehst,
umso schmaler der Grat,
umso gefährlicher -
letztlich tödlich.

„Der Berg ruft“, wie es heisst,
und darin liegt die Gnade,
die er dir gewährt.

Denk ihn dir nach oben sich verjüngend,
immer feiner, immer spitzer
bohrt er sich hinein in die Unendlichkeit.

Am Ende der Unendlichkeit,
die zugleich ihr Anfang ist,
am Gipfel also, wo es beginnt und endet,
da ist der Berg so spitz und fein,
dass er Nicht-Berg wird,
nichts, worauf du stehen könntest.
Der Berg ruht auf dem Nicht-Berg,
Und Nicht-Berg ruht auf nichts,
worauf sollte sich, was alles ist,
auch selber stützen?

Und daraus bist auch du
und da hinein musst du nun gehen,
jetzt, da du gerufen wurdest.

Aus dem Scheitelpunkt,
bloß ein Punkt, ein Quasi-Nichts,
dort heraus quellt alles.
Des Berges Ursprung ist sein Ziel:
Fuß und Haupt berühren sich.

Wenn du hinauf gehst,
wenn du hineingehst,
wirst du sehen,
dass du niemals abgestiegen bist.

Ralph Skuban
Falk
Site Admin
 
Beiträge: 215
Registriert: Freitag 14. März 2008, 18:55
Wohnort: www.humanflow.de

Zurück zu Selbstfindung & Zufriedenheit

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron