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Studie - "Tagträumer riskieren ihr Glück" - Spiegel11.11.10

BeitragVerfasst: Donnerstag 26. Januar 2012, 12:12
von Falk
Tagträumer riskieren ihr Glück
Donnerstag 11.11.2010, 20:01

Colourbox In Tagträumen zu schwelgen zahlt sich nicht aus
Das Leben im Hier und Jetzt macht glücklicher als ständiges Tagträumen, haben zwei US-Forscher nachgewiesen.
Der Mensch verbringt nur etwa die Hälfte seiner wachen Stunden damit, sich auf aktuelle Aufgaben zu konzentrieren – die andere Hälfte lässt er seine Gedanken schweifen und grübelt über Erlebnisse aus der Vergangenheit nach, denkt an die Zukunft oder sinniert über Dinge, die nie passieren werden. Die Art der aktuellen Beschäftigung spielt dabei so gut wie keine Rolle. Entdeckt haben das die Wissenschaftler mit Hilfe eines kleinen Programms für Mobiltelefone, mit dem sie wiederholt das aktuelle emotionale und geistige Befinden einer Gruppe von Probanden registrierten. Überraschend sei nicht nur die Häufigkeit gewesen, mit der die Teilnehmer ihre Gedanken wandern ließen, sondern auch die Entdeckung, dass dieses Tagträumen eindeutig unglücklich macht, schreiben Matthew Killingsworth und Daniel Gilbert von der Harvard University in Cambridge im Fachmagazin „Science“.

Die Wissenschaftler benutzen für ihre Studie, die noch weiterläuft, ein eigens entwickeltes Programm, mit dem sie per internetfähigem Mobiltelefon mit Menschen unterschiedlicher Nationalität und verschiedener Altersgruppen zu willkürlichen Zeitpunkten Kontakt aufnehmen können. Die Probanden müssen bei jedem Anruf drei Fragen beantworten: „Wie fühlen Sie sich?“, „Was machen Sie gerade?“ und „Denken Sie gerade an etwas anderes als an das, was Sie tun?“. Die Antworten werden in eine Datenbank eingespeist, in der momentan insgesamt mehr als 250 000 Datensätze gespeichert sind. Für die aktuelle Untersuchung werteten die Wissenschaftler daraus nun die Informationen von 2250 Erwachsenen zwischen 18 und 88 Jahren aus.

Konzentrierte Menschen sind glücklicher
Der wandernde Geist macht eindeutig unglücklich. Menschen, deren Gedanken abdriften, sind weniger zufrieden als solche, die sich konzentrieren. Selbst angenehme Beschäftigungen können die Laune verderben, wenn man nicht bei der Sache ist. Zwar neige man eher dazu, sich in angenehme Tagträume zu katapultieren statt unangenehmen Gedanken nachzuhängen. Doch auch wenn die Gedankenwelt noch so anziehend scheint, macht sie nicht glücklicher, berichten die Wissenschaftler.

Im Gegensatz zu Tieren hat der Mensch die Fähigkeit, über zurückliegende Ereignisse zu brüten und an die Zukunft zu denken. Das macht ihn nicht nur äußerst lernfähig, sondern befähigt ihn auch dazu, Pläne zu schmieden. Obwohl diese Fertigkeit eine bemerkenswerte Leistung ist, geht sie offenbar auf Kosten des Wohlbefindens – man bezahlt für den kognitiven Fortschritt also einen emotionalen Preis, schreiben die Forscher.
Das Projekt „Track your Happiness“, in dem die Forscher der Frage nachgehen, was Menschen glücklich macht, wird fortgesetzt.