Ich leide an massiven Schlafstörungen

Ich leide an massiven Schlafstörungen

Beitragvon Falk » Montag 26. Januar 2009, 20:54

Frage (via e-Mail): Ich leide seit langem an massiven Schlafstörungen. Die Versuche, über die Schulmedizin Hilfe zu bekommen, scheiterten. Nun suche ich Hilfe in neuen Richtungen.

Antwort: Meine Erfahrung aus der Zusammenarbeit mit Menschen, die unter starken Schlafstörungen litten, wenn die Ursache stressbedingt, nichtorganisch ist, dann ist es in der Regel zu spät mit der Behandlung der Schlafstörung abends vorm Schlafengehen anzufangen. Um eine dauerhafte Bewältigung der Schlafstörung zu erreichen, sollte die Person morgens beginnen mehr innere Ruhe zu erfahren und dies über den Tag dann vertiefen. Die Nachtruhe kommt dann von alleine, wenn nicht sofort, dann zumindest nach ein paar Tagen. Das Prinzip ist einfach: eine unruhige Nacht, braucht als Nährboden einen unruhigen Tag. Andersrum genau so, eine ruhige Nacht, braucht einen ruhigen Tag.

Es reicht nicht aus, die geistige Unruhe, die der Mensch tagsüber erfährt, abends punktuell zu bekämpfen. Die Gewohnheit der inneren Unruhe macht dann nämlich einen Strich durch die Rechnung, sprich sie geht nachts ungehindert weiter. Die beste Medizin für einen guten Schlaf ist ein guter Tag. Daher empfehle ich tagsüber zu beginnen, den permanenten geistigen Lärm zu bändigen. Eine Möglichkeit dies zu machen, ist über gesteigerte Bewusstheit. Dabei würden Sie beginnen den ständigen Gedankenfluss zu unterbrechen, indem Sie immer mal wieder nach Innen fühlen. Sie fühlen dabei, ohne dass sie das Gefühlte interpretieren oder analysieren müssen. Sie sind einfach nur anwesend und spüren in den inneren Raum hinein. Immer wieder, aber ganz mühelos, ganz ohne Zwang. Es geht dabei nicht darum Gedanken zu unterdrücken, aber anstatt ihnen zu folgen, reagieren Sie nicht mehr auf sie und richten Ihre Aufmerksamkeit regelmäßig zurück auf Ihr Fühlen. Um wirklich zu fühlen, müssen Sie für einen Moment innerlich still sein, nicht denken. Auch wenn Sie am Anfang vielleicht nur für Momente bewusst sein können, beginnen Sie so die Gewohnheit des zwanghaften und unaufhörlichen Denkens zu unterbrechen. Zurück bleibt zunehmend mehr innere Ruhe nicht nur tagsüber, sondern bald auch in der Nacht. Das System erholt sich, weil Sie die Wurzel der Störung angehen, anstatt ausschließlich symptomatisch gegen die Schlafstörung anzukämpfen.

Was bei einer Schlafstörung symptomatisch ebenfalls unterstützend sein kann, ist nicht gegen die Schlaflosigkeit anzukämpfen. Versuchen Sie keinen inneren Widerstand aufzubauen, erlauben Sie sich schlaflos zu sein. Laden Sie die Schlaflosigkeit ein, denn Sie ist sowieso da. Möglicherweise nutzen Sie vielleicht sogar die Zeit, meditieren, beten oder "hören" in den Körper hinein, aber ohne damit den Schlaf erzwingen zu wollen. Das geht nämlich nicht. Letztendlich ist die Schlafstörung nur ein Signal des Systems, dass etwas nicht in Ordnung ist (zu viel Sorgen, Ängste, Unruhe, etc.). Dieses Signal ist wertvoll, weil dadurch Schlimmeres vermieden werden kann. Wichtig ist aber, dass Sie diese Signal ernst nehmen und damit meine ich nicht, dass Sie sich ein besseres Kissen oder Matratze kaufen (obwohl Sie das natürlich gerne machen können) oder Schlafmitteln zu sich nehmen sollten (zumindest nicht auf Dauer). Wichtige Fragen sind: Warum haben Sie geistige Unruhe? Was können Sie machen, damit Sie tagsüber wieder in Ihren Normalzustand finden? Wie können Sie dem gedanklichen Lärm die Kraft entziehen?

Ich hoffe, diese Hinweise erreichen Sie.

Mit einem freundlichen Gruß,
Falk Mieschendahl
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