Hilfe!!! Alles ist zuviel! Ich habe Angst!

Hilfe!!! Alles ist zuviel! Ich habe Angst!

Beitragvon Falk » Montag 23. November 2009, 07:48

Frage: Ich stürze gerade wieder mit einer ungeheuren Geschwindigkeit ins Grauenvolle. Alles scheint zu viel, nicht leistbar. Ich weiß, ich sehe die Gründe im Außen und es ist nicht so. Aber es liefert mir Gründe, um an der Verzweiflung fest zu halten? Kollegin seit 8 Wochen krank, richtig Stress mit Klienten, Arbeit häuft sich eh immer Ende des Jahres, ich ertrinke in dem Finanzkram für die Arbeit (das macht mir richtig Angst), Wohnungssuche steht an/ bekomm ich gar nicht gebacken und an Umzug und den ganzen Aufwand, darf ich gar nicht erst denken, dann wird mir richtig schlecht… Ich fühle mich mal wieder komplett überfordert, verzweifelt. Ich bin wie gelähmt, ich kann weder konkret Sachen anpacken und sie umsetzen (aufräumen, die einfachsten Dinge erledigen, einkaufen, putzen, waschen…), Schriftliches geht gar nicht, als wenn mein Kopf in Watte und Dämmerzustand taucht… Ich falle wieder in diese tiefe Traurigkeit. Mir ist ständig zum Heulen (nun auch schon bei/ während der Arbeit). Ich fühle mich unendlich hilflos. Es ist irgendwie alles viel zu viel!!! Ich bekomme nichts geordnet, es erdrückt mich alles!!! Hilfe!!!

....Eine zeitlang habe ich die tägliche Fürsorge halten können (entweder Atmen, Spaziergang, Schwimmen, einölen…). Ich habe nicht geschimpft, wenn ich später ins Bett bin… Habe weder Fernseh schauen müssen, noch brauchte ich Krimis. Habe Tolle gehört, Bryon Katie gelesen, fühlte in dem auch da schon zu vielem trotzdem etwas Hoffnungsvolles, etwas Angenehmes, Leichtes, Frohes, Zufriedenes,…
Was geblieben ist, in dieser Verzweiflung mich nicht mit Fernseh und Krimi abzulenken, zusätzlich zuzustopfen. Ja, ich arbeite viel zu viel und zu unstrukturiert, bin leider benebelt und nicht effektiv, bin traurig und hilflos bis hin zur Verzweiflung, aber morgens und abends suche ich (statt Fernseh und Lesen) den Energiefluss, suche den Atem… Leider kann ich da so schwer dran bleiben, 6x ansetzen (stelle mir meist den Wecker für 10 Min. damit ich neu ansetzen kann, weil ich meist nicht merke, dass ich in die Gedankenwelt verschwinde) und doch wander ich immer wieder in die Gefühle der Verzweiflung, in Geschichten, die ich gar nicht denken will… Ich habe eine Scheiß Angst! Es ist ein Gefühl, als wenn ich den letzten Halt verliere. Ich habe die Nase von Druck, Stress, Überforderung so voll!!!!!!!!!! Ich will endlich friedvoll leben. Jetzt bietet sich die Gelegenheit ein neues schönes Zuhause zu finden und es begann so gut mit diesem Gefühl des Vertrauens der Anziehung… Jetzt macht mir diese Wohnungssuche nur noch Angst und Stress und ist mir unendlich lästig, ja es überfordert mich. Es schreit in mir vor Angst, dass ich das nicht auf die Reihe bekomme...

Antwort: ...was machst du mit dir? Die Situation an sich ist ein kleines verglichen mit dem, was du innerlich für einen Schaden anrichtest. Deine Angst entsteht nur aus der falschen Vorstellung, sie hat mit dem Hier und Jetzt nichts zu tun, du bist nicht in Gefahr, deine Existenz ist nicht bedroht. Trotzdem darfst du mit der 4-Jährigen (sie ist die Basis der Verzweiflungsmuster und der Angst) ganz sanft umgehen, freundlich von ihr lernen, all die irrationalen Ängste beobachten, verstehen und erfahren. Durch die genaue Beobachtung lernst du die Kleine gut kennen. Was macht ihr Angst? Was ist so schlimm daran, es nicht zu schaffen? Was ist so schlimm an Unsicherheit? Dabei musst du gut zuhören. Die Kleine belehren oder etwas erzwingen, hilft nicht, denn die Kleine zieht sich sofort zurück in ihren Schutzraum. Wenn du aber Interesse ihr gegenüber zeigst, sie in die Angsträume begleitest (gerade wenn es schmerzt), dann wird die Kleine Vertrauen gewinnen, sich öffnen und mit der Zeit auch umlernen. Flucht hilft hier nicht mehr, nur noch bedingungslose Nähe.

Eine rettende Idee für dich? Es gibt keine Zauberpille, außer vielleicht einem effektiven Medikament oder wenn die Umstände sich bessern würden. Aber beides würde nichts wirklich ändern, sondern nur verschieben. Auch habe ich bei mir festgestellt, dass die schwierige Zeit die "lehrreichste" war, aber ich war auch absolut bereit mit und von meiner Menschlichkeit zu lernen (keine Flucht, nicht mal in irgendwelche Inspirationen oder Techniken). Es ist eine Chance, innerlich stark zu werden, bzw. die Stärke in dir zu entdecken. Wenn es nicht anders geht, sollte man selbstverständlich Hilfe von außen in Anspruch nehmen, aber du weißt doch bereits alles.

Wenn du in all dieser Dunkelheit einmal inne hältst, wirst du den Gedankenlärm und die dunklen Gefühle und Ängste spüren. Nimm sie in den Arm, ohne Bedingung. Es kann sein, dass davon der Schmerz weniger wird, aber oft bleibt er genauso oder wird sogar stärker. Gebe dem deine ganze Aufmerksamkeit. Wenn du dann weiter innehältst, still bist und einmal nach innen entspannst, wirst du neben dem Schmerz noch einen anderen Bereich spüren. Es ist das Gefühl des Hiersein, des bei-sich-seins. Dieser Bereich ist ganz leicht zu übersehen. Er beinhaltet ein grundloses Wohlgefühl, nicht laut, sondern sehr leise (aber allumfassend). Dieses Gefühle ist immer vorhanden, geht nie verloren, ist aber im Hintergrund. Wenn du diesen Bereich spürst, hast du auf einmal die Wahl, zwischen der "dunklen Seite der Macht" und der Leichtigkeit. Du hast die Wahl, wohin du deine Aufmerksamkeit lenkst, eine Wahl, welcher Bereich wächst. Solange du aber aus Angst heraus vor der dunklen Seite flüchtest, wirst du die leichte Seite nicht wirklich finden können. Dieses Ausrichten der Aufmerksamkeit auf die Mühelosigkeit in dir, bedeutet nicht, dass du die Angst unterdrücken solltest, du wirst aber merken, dass sie sich durch die Aufmerksamkeit von alleine leichter verflüchtigt.

Der Buddha gab auch einmal ein gutes Rezept bei Überlastung: mache eins nach dem anderen und höre auf in den Konsequenzen zu leben. Mehr als so gut wie es geht deine Arbeit zu machen, geht nicht. Was daraus resultiert, geht dich nichts mehr an. Übersetzt auf dein Leben könnte das bedeuten: schwimme, wenn du schwimmst, suche nach einer Wohnung, wenn du eine Wohnung suchst, erfahre die Frustration bei der Arbeit, wenn du frustriert bist (wenn du immer bei der Arbeit frustriert sein solltest, suche dir eine neue), schreibe, wenn du schreibst,...und natürlich sei ehrlich. Zusammengefasst könnte man sagen, mache eins nach dem anderen, aber sei, wenn du etwas machst ganz dabei. Vergiss die Sorge um die Konsequenzen. Wer weiß schon, was wirklich passieren wird. Sei bei dir. Es besteht keine Gefahr. In all dem Sturm bist du, körperlich und emotional erschöpft, aber im Zentrum heil, nicht therapiefähig (im guten Sinne). Sei sanft mit dir. Obwohl dass hier und jetzt nicht entwickelt werden kann und muss, das loslassen von Mustern und Ängsten, die du nicht bist, die aber an dir zerren, wird eine Weile dauern. Im hier und jetzt, aber bist du unverletzlich.

Ich hoffe, eine paar meiner Sätze treffen dich.
Falk
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