FlowLetter (August 2012): Die glücklichste Zeit

FlowLetter (August 2012): Die glücklichste Zeit

Beitragvon Falk » Sonntag 19. August 2012, 06:20

1. Die glücklichste Zeit

Andreas ist ein erfolgreicher Manager, um die 50 Jahre alt. Er geht das Leben analytisch an, wie ein Arbeitsprojekt, das gemanagt und gelöst werde muss und kann. Hoch gewachsen und mit einem verschmitzten Gesichtsausdruck, hat er in seiner gradlinigen, gewinnenden Art und mit viel Begeisterung und Aufwand viele Jahre in der Führung eines Großunternehmens gepowert. Von einem Moment auf den nächsten, erlitt er jedoch vor 5 Jahren während einer Auslandsreise einen Ohnmachtsanfall und körperlichen Zusammenbruch. Diagnose Überlastung und Burnout. Dieser Zusammenbruch war nicht Teil des Plans. Nach einem Jahr »Sabatical«, lies er die Sache ruhiger angehen und baute sich ein kleines und überschaubares Unternehmen in der Eventbranche auf. Die Familie sollte auch wieder mehr in den Mittelpunkt rücken.

Mit steigendem Erfolg und Komplexität seines noch jungen Unternehmens, begann er jedoch wieder in alte Muster zu fallen. Auch seine Frau und Kinder mochten nicht mehr. Als verantwortungsbewusster Mensch wollte er jetzt etwas für sich und seine Situation tun und war deswegen als Gast ins HumanFlow Zentrum gekommen.

In einer Einzelstunde sprachen wir über Werte und Ziele und was für ihn eigentlich Glück bedeutet. Und so erzählte Andreas mir folgende Geschichte. »Die glücklichste Zeit meines Lebens dauerte eine Stunde lang. «, sagte er. »Ich befand mich in einer Boeing 737 auf einem Flug nach London zu einem Geschäftstermin. Alle Passagiere saßen bereits an ihren Plätzen. Als letzter Fluggast kam ein kleiner asiatischer Mann an Board. Als er eintrat, wurden alle still, ganz still. Wie eine Decke legte sich eine friedliche Ruhe über alles. Er lächelte und grüßte die Menschen links und rechts freundlich und offen, während er ohne Eile zu seinem Platz ging. Er schaute wachsam, war nicht aufdringlich. Er sah diejenigen, die er anschaute. Dann setzte er sich auf seinen Platz.

Während des ganzen einstündigen Fluges nach London war die Zeit für mich und ich glaube für die anderen Passagiere ebenfalls, wie angehalten. Ein unbeschreibliches Gefühl von erhebender Freude, Frieden und Gnade hatte mich erfasst. Dieser freundliche Mann, der eingestiegen war, war der Dalai Lama. Und obwohl ich kein besonders spirituell ausgeprägter Mensch bin, bin ich im Herzen bis heute noch tief berührt. «

Andreas Geschichte war ergreifend für mich, auch deshalb da ich nie vermutet hätte, dass der eher nüchterne Realist eine Begegnung mit dem Dalai Lama zur glücklichsten Stunde seines Lebens auserkoren würde. Und auch dem Dalai Lama schien es bei dieser Begegnung vor 15 Jahren nicht schlecht gegangen zu sein. Beide hatte etwas von der Begegnung.

Was war es, das Andreas so tief berührt hatte? War es das bloße Wissen über das Treffen einer berühmten Persönlichkeit? Oder war es die Begegnung mit einem zutiefst achtsamen und friedlichen Menschen, der in seiner Präsenz ruhte und sah?

Ich glaube, es ist das zweite. Und genauso, wie es für den Dalai Lama möglich ist zu berühren und zu sehen, ist es für jeden anderen Menschen möglich. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist die Bereitschaft zu sehen, vor allem sich selbst zu sehen und zu lieben, ohne Bedingungen: Wer ich bin. Was ich will. Wozu ich hier bin. Was ich selbst machen kann. Praktisch. Wie ich achtsam bin.

Und so entsteht Raum: weniger Eile, weniger Marketing und mehr Ruhe. Der Moment gewinnt an Wert, wird »schön«. Nicht nur für den Empfänger, sondern vor allem für den Sender. Innere Werte, wie Mitgefühl und Frieden, begleiten die Präsenz. Sie sind heilsam für Körper, Geist, Seele, für das Umfeld und die ganze Welt. Und eigentlich sind diese Werte und innere Haltung auch ganz normal. Im wilden Treiben haben wir das bloß vergessen. In der Ära des Gedankenlärms und des fremdbestimmten Funktionierens ist das Wesentliche überlagert, ist unsichtbar für die Augen. Aber die nachhaltige Perspektive wird zurückkehren, keine Sorge. Denn Arbeit, Beziehung und das Leben im Allgemeinen sind nicht zum Sorgen oder zum Kämpfen da und schon gar nicht um krank zu werden. Das Leben ist für den Menschen, sein Wachstum und sein Wohlergehen.

Es kommt auf jeden Einzelnen an. Ich möchte wieder schauen können, so wie es ist und gesehen werden, so wie ich bin. Ich möchte zu mir finden, auch in einer überdrehten Welt. Leiden ist nicht mein Grundzustand. Ich trete in Aktion. Dafür bin ich achtsam und bewusst, mit mir und als Konsequenz auch mit allen anderen.

Ist es möglich, dass ich eines Tages in mir ruhend präsent und anwesend in eine Straßenbahn, Zug oder Flugzeug steige, die Uhren der Passagiere stehen bleiben und für manche die glücklichste Zeit ihres Lebens anbricht? Man müsste es ausprobieren.

In diesem Sinne, einen achtsamen Tag, Falk

2. Ein Teil des Ganzen (von Albert Einstein)

»Ein menschliches Wesen, ist Teil des Ganzen
welches wir Universum nennen,
ein in Zeit und Raum begrenzter Teil.
Er erfährt sich selbst,
seine Gedanken und Gefühle,
als etwas vom Rest Getrenntes,
eine Art optischer Täuschung seines Bewusstseins.

Diese Täuschung ist eine Art Gefängnis für uns,
das uns auf unsere persönlichen Wünsche
und Verlangen und die Zuneigung zu einigen
uns nahestehenden Menschen beschränkt.

Unsere Aufgabe muss sein,
uns aus diesem Gefängnis zu befreien,
indem wir den Kreis unseres Mitfühlens so erweitern,
dass er alle lebenden Kreaturen und die ganze Natur
in all ihrer Schönheit einschließt.«

Albert Einstein
Falk
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